Ernst Jünger als Inkarnation der Kriegsliteratur versus Hamidreza Taleghani als Inkarnation der Literatur der heiligen Verteidigung
Volumen 37, Ausgabe 1, August 2024, Seiten 50-68
https://doi.org/10.22034/spektrum.2024.203173
Mohammadreza Dousti Zadeh, Mohammad Hossein Haddadi
Abstrakt In Deutschland wie im Iran zählt man traditionell alle literarischen Werke, in denen der Krieg thematisiert wird, zur „Kriegsliteratur“; ob man damit ein Bild von Einstellungen der Verfasser von literarischen Kriegsbüchern zum Phänomen „Krieg“ liefern kann, ist jedoch sehr zweifelhaft. Die Tatsache, dass sich neben dem Begriff „Kriegsliteratur“ auch Begriffe wie „Antikriegsliteratur“ (in Deutschland) und „Literatur der heiligen Verteidigung“ (im Iran) etabliert haben, zeigt, dass man dem Wesen von literarischen Kriegsbüchern nur dann gerecht wird, wenn man sie vor dem Hintergrund von Einstellungen ihrer Verfasser zum Krieg bewertet und subsumiert. Die Etablierung des Begriffs „Antikriegsliteratur“ neben dem Begriff „Kriegsliteratur“ in Deutschland hat den Grund in unterschiedlichen Einstellungen der Verfasser von literarischen Kriegswerken zum Krieg, während man im Iran den Begriff „Kriegsliteratur“ sporadisch verwendet und aufgrund (fast) einheitlicher Einstellungen von Kriegsliteraten zum Krieg einen anderen weit verbreiteten Begriff, nämlich „die Literatur der heiligen Verteidigung“ bevorzugt. Der vorliegende Beitrag will vor dem Hintergrund der Einstellungen von Ernst Jünger (als Inkarnation der Kriegsliteratur in Deutschland) und Hamidreza Taleghani (als Inkarnation der Literatur der heiligen Verteidigung im Iran) zum Krieg in ihren literarischen Kriegswerken mit einer vergleichenden Studie die Charakteristika der Kriegsliteratur und der Literatur der heiligen Verteidigung herauskritalisieren und zugleich rechtfertigen, dass eine Subsumierung von Kriegsbüchern wegen unterschiedlicher Einstellungen ihrer Autoren zum Krieg unvermeidbar ist.
Goethes kosmopolitische Idee der Weltliteratur versus nationalistische Gedanken
Volumen 31, Ausgabe 4, Dezember 2018, Seiten 31-44
Mohammad Hossein Haddadi, Hassan Parvan
Abstrakt Die Idee der Weltliteratur ist eine der zentralen Säulen in Goethes literarischem und künstlerischem Leben. Die Entstehung und Weiterentwicklung dieses Konzepts ist das Ergebnis seiner tiefen Hinwendung zur ausländischen Literatur sowie seines Bedürfnisses, die Weltliteratur in der eigenen Kultur widerzuspiegeln – durch die Anerkennung der Potenziale und Fähigkeiten anderer Kulturen.
Diese Idee steht aus kultureller und literarischer Perspektive im Gegensatz zu extrem nationalistischen Vorstellungen, und zwar durch ihre gesellschaftspolitischen und kosmopolitischen Dimensionen. Gerade heute, mit dem Wiedererstarken neuer nationalistischer Strömungen in vielen Ländern weltweit, gewinnt dieses Thema an Relevanz.
Der vorliegende Artikel vergleicht auf der Grundlage von Goethes Idee der universellen Literatur seine Ansichten mit nationalistischen Überzeugungen und kommt zu dem Schluss, dass Goethe betont, „die Tore der nationalen Literatur für die Literatur anderer Nationen zu öffnen – mit dem Wunsch nach wechselseitigem Einfluss sowie mit der Einladung an die Denker und Autoren der Welt, sich am intellektuellen Austausch, am kulturellen Dialog und an internationalen Verbindungen zu beteiligen“. Goethes Vorstellungen umfassen transnationale, transethnische und transregionale Dimensionen.
