Spektrum Iran
Schlüsselwörter = Islam

Rudolf Otto und seine Stellung zum Islam

Volumen 38, Ausgabe 1, Juli 2025, Seiten 249-271

https://doi.org/10.22034/spektrum.2025.529618.1036

roland pietsch

Abstrakt Nach einem Überblick über Rudolf Ottos Leben und Werk wird seine Phänomenologie des Heiligen kurz skizziert. Anschließend wird seine Stellung zum Islam anhand seiner Reiseberichte und später seiner Schriften dargelegt. Das Heilige ist für Rudolf Otto das Innerste jeder wahren Religion. Um das Heilige von seiner sprachlichen Nebenbedeutung als sittliche Vollkommenheit zu unterscheiden, verwendet Otto den Begriff des Numinosen als eine numinose Deutungs- und Bewertungs-kategorie. Rudolf Otto sieht das Innerste der Religionen im Einklang mit ihren äußeren Formen, etwa der mystischen Leere mit der architektonischen Leere von Moscheen.

Die friedlichen Grundlagen der islamischen Sicht auf andere Religionen

Volumen 37, Ausgabe 2, Dezember 2024, Seiten 25-46

https://doi.org/10.22034/spektrum.2025.489296.1008

Ali Akbar Alikhani

Abstrakt Heute werden viele Kriege und Gewalttaten im Namen des Islam und mit islamischen Motiven geführt, teilweise aufgrund der Zurückweisung anderer Religionen. Dieser Artikel zielt darauf ab, die Sichtweise des Islam auf andere Religionen zu verstehen und zu analysieren sowie her­auszufinden, wie diese Perspektive zum Frieden und zur Koexistenz beiträgt. Die zentrale Frage dieses Artikels lautet: Was sind die friedlichen Grundlagen der islamischen Sicht auf an­dere Religionen? In diesem Artikel bezieht sich der Begriff Islam sowohl auf den Koran als auch auf die prophe­tische Tradition, die beide als Hauptquellen und Argumentationsgrundlagen dienen. Es wer­den drei wesentliche friedliche Grundlagen der islamischen Sichtweise auf andere Religionen und deren Anhänger erörtert: die Freiwilligkeit des Glaubens oder bestimmter Überzeugun­gen, die Anerkennung des Rechts des Einzelnen, seinen eigenen Glauben auszuüben, sowie die Unterscheidung zwischen Wahrheit und Realität als theoretischer Rahmen zur Interpretation bestimmter Koranverse. Diese Forschung verwendet zwei Methoden: qualitative Inhaltsanalyse und grundlagentheo­retische Forschung. Die Ergebnisse zeigen, dass die Perspektiven des Korans und der prophe­tischen Tradition auf andere Religionen aufklärend und realistisch sind. Sie bieten keine Recht­fertigung für Gewalt, sondern eine solide Grundlage für Frieden und Koexistenz. 

Religiöse friedensorientierte Gedanken im heutigen Iran

Volumen 37, Ausgabe 2, Dezember 2024, Seiten 47-81

https://doi.org/10.22034/spektrum.2025.497362.1018

Rahman Mohammadzadeh, Mohammad Javad Zarif

Abstrakt Ein intellektueller Ansatz für friedensorientierte Gedanken in der Ära der Islamischen Republik ist die religiös orientierte Friedensidee, die das Konzept des Friedens aus der Perspektive des Islams untersucht. Denker dieser Denkschule analysieren die Wurzeln und Kontexte von Zwietracht und sozio-politischer Gewalt in der Gesellschaft. Sie greifen dabei auf islamische Texte zurück, darunter Koranverse, die Praxis des Propheten sowie die Aussprüche und Traditionen der schiitischen Imame, um Frieden, Koexistenz, Toleranz und Geduld für Individuen und sozio-politische Gruppen zu fördern und vorzuschreiben. Diese Studie zielt mithilfe eines theoretischen Rahmens und einer gestaffelten Methodologie der Gedankenanalyse darauf ab, diese Denker und ihre Ansichten zu identifizieren. Dabei werden Problemstellungen, vorgeschlagene Lösungen und Dimensionen analysiert, die in einem religiösen friedensorientierten Ansatz verwurzelt sind. Die von religiös friedensorientierten Denkern aufgeworfenen Themen lassen sich in mehrere Kategorien einteilen, darunter: politische Streitigkeiten und Konflikte zwischen Einzelpersonen und Gruppen, militante Auslegungen des Islams, die Anwendung bestimmter rechtlicher Vorschriften zur Rechtfertigung von Tötungen, offizielle religiöse Interpretationen, ideologischer Extremismus, die Übernahme vorislamischer Stammesgewalt in die islamische Kultur, epistemologische Verwirrung beim Verständnis der Religion sowie irreführende und geheiligte Unwissenheit in Bezug auf Religion. Zur Bekämpfung von Gewalt und zur Förderung von Frieden und friedlicher Koexistenz in der Gesellschaft haben diese Denker Lösungen wie Einheit, religiöse Demokratie, die Anwendung von Kriegs- und Friedensprinzipien basierend auf schiitischen Lehren, Pluralismus, die Förderung eines glaubensbasierten und monotheistischen Friedens, die Entwicklung einer Friedenstheologie und zehn epistemologische Unterscheidungen im Verständnis der Religion vorgeschlagen.

Erforschung von Frieden und Gewalt im Islam durch den Quantenfluss von Informationen in einer Chaos-Haltung

Volumen 37, Ausgabe 2, Dezember 2024, Seiten 105-124

https://doi.org/10.22034/spektrum.2025.494137.1014

Saeedeh Kouzehgari

Abstrakt Interaktionen zwischen islamischen Ländern, die von Wettbewerb um verschiedene Themen und unterschiedlichen Interpretationen islamischer Texte geprägt sind, haben historisch zu erheblichen Auseinandersetzungen unter Muslimen geführt. Diese Uneinigkeit hat sich in zahlreichen Formen manifestiert, darunter gewaltsame Konfrontationen zwischen Gruppen, die sich mit dem Islam identifizieren. Die meisten Streitigkeiten innerhalb der islamischen Welt sind durch religiöse Faktoren bedingt und resultieren hauptsächlich aus unterschiedlichen und manchmal widersprüchlichen Interpretationen islamischer Lehren. Diese Forschung zielt darauf ab, die Frage zu beantworten: Wie entstehen Friedens- und Gewaltansätze im Islam? Durch die Untersuchung von Verhaltensweisen innerhalb sozialer Systeme erkennen wir, dass diese Systeme in dreidimensionalen Rahmenwerken auf der Grundlage von Informationen operieren und chaotische Verhaltensweisen aufweisen. Diese Studie verwendet den Quantenfluss von Informationen aus einer Chaos-Perspektive. Die Ergebnisse zeigen, dass gewalttätige Verhaltensweisen aus drei primären Interpretationen entstehen: narrativ, theologisch und juristisch. Im Gegensatz dazu entstehen friedensorientierte Verhaltensweisen aus philosophischen, ethischen und mystischen Interpretationen des Islam. Die Variabilität dieser Ansätze wird auf Unterschiede in den internen Mustern der Offenheit und Aggregation von Informationen zurückgeführt, die aus unterschiedlichen Interpretationen innerhalb des Quantenflusses von Informationen resultieren.

Die Stellung des Propheten Zarathustra innerhalb der Religionsstifter Eine Neubewertung von Zarathustra aus religionswissenschaftlicher Sicht

Volumen 37, Ausgabe 1, August 2024, Seiten 24-49

https://doi.org/10.22034/spektrum.2024.203853

Thiel Detlef

Abstrakt Die Reihe der Religionsstifter beginnt mit Zarathustra, dem Begründer des antiken Zoroastrismus, der bis in die heutige Gegenwart noch gläubige An-hänger kennt, z.B. die Parsen. Der Aufsatz unternimmt den Versuch, Za-rathustra gleichberechtigt in die Reihe der Religionsstifter zu stellen, einige Gemeinsamkeiten mit anderen Religionsstiftern aufzuzeigen, aber auch seine Besonderheiten herauszuarbeiten. Um seine Person und sein Wirken ranken sich viele Legenden. In diesem Artikel soll der wahre Kern seiner Botschaft jenseits aller Mythen herausgearbeitet werden. Zarathustra gilt als der Be-gründer des Monotheismus, der das Judentum beeinflusste und im Christen-tum und Islam modifiziert weiterwirkte. Der Aufsatz ist zugleich eine me-thodische Prüfung, inwieweit Zarathustra als Prophet mit anderen Religions-stiftern verglichen und inwieweit der Zoroastrismus auf dieser Basis zu den Weltreligionen gerechnet werden kann.

Beziehungen zwischen Recht und Moral in der islamischen Mystik und Philosophie: Eine Reflexion über Al-Risala Al-Qushayriyya und Akhlaq-i Nasiri

Volumen 37, Ausgabe 1, August 2024, Seiten 158-200

https://doi.org/10.22034/spektrum.2024.203855

Mahdi Bahrami

Abstrakt Diese Forschung untersucht zwei bekannte Texte der islamischen Ethik, Al-Risala Al-Qushayriyya und Akhlaq-i Nasiri, und beschreibt, analysiert und vergleicht zwei Ansätze zur Gerechtigkeit. Im ersten Ansatz, vertreten von Qushayri, wird die zentrale Rolle der Gerechtigkeit an Individuen übertragen, die im Kontext der Ethik erzogen wurden und eigenständig für das Wohl der Gemeinschaft sorgen. Hier setzt individuelles ethisches Verhalten die Fürsorge für andere voraus, und eine moralisch entwickelte Person, die Eigenschaften wie Geduld, Großzügigkeit und Freiheit verkörpert, schützt sowohl die religiösen Normen und hilft den Menschen in der Gesellschaft. Im Ansatz von Khaaje Nasir hingegen, der auf einem umfassenden platonisch-aristotelischen Konzept der Ethik basiert und sowohl individuelle als auch soziale Aspekte berücksichtigt, schafft die vollständige Verwirklichung individueller Gerechtigkeit die Grundlage für die Herrschaft eines gerechten Individuums und somit für die systematische Realisierung sozialer Gerechtigkeit. Zunächst scheint Khaaje Nasirs weiser Ansatz aufgrund seiner Vollständigkeit und Durchführbarkeit gegenüber Qushayris individualistischem mystischen Ansatz vorzuziehen zu sein, jedoch wird nach der Trennung von Recht und Moral, wie in neueren Studien zur Moralphilosophie vorgeschlagen, diese Präferenz infrage gestellt.

Das iranische und islamische Heldenbild im Wandel der Zeit

Volumen 34, Ausgabe 2, Dezember 2021, Seiten 1-20

https://doi.org/10.22034/spektrum.2021.184471

Sonja Anwar

Abstrakt Im Folgenden wird die Bedeutung der Begriffe „Held“ und „Heldentum“ in einer modernen islamischen Gesellschaft erläutert. Heute ist auch Iran, wie nahezu alle Länder weltweit, eine Mediengesellschaft. Soziale Medien, Telegram (das Pendant zu WhatsApp), Onlinevideos usw. sind besonders bei jungen Menschen äußerst beliebt. Der Hinweis auf die „islamische Gesellschaft Irans“ macht jedoch bereits deutlich, dass sich „islamische Gesellschaft“ je nach nationalen oder kulturellen Gegebenheiten stark unterscheiden kann. In Iran dominiert der schiitische Charakter des Islams, während zum Beispiel in der Türkei der sunnitische Islam eine stärkere Rolle spielt. Dies beeinflusst auch die Definition und Rezeption des „Heldenbildes“. Was also ist unter einem islamischen Helden zu verstehen, der in Iran als solcher bezeichnet wird?

Vladimir Sergeevič Solov’ev und seine Stellung zum Islam

Volumen 33, Ausgabe 1, Juni 2020, Seiten 149-184

roland pietsch

Abstrakt Der Artikel untersucht Vladimir Solov’evs philosophische und theologische Auseinandersetzung mit dem Islam, geprägt durch sein Konzept der „All-Einheit“ (vseedinstvo). In Drei Kräfte (1877) kritisiert Solov’ev den Islam als starres System, das individuelle Freiheit unterdrücke, und kontrastiert ihn mit westlichem Individualismus und slawischer Spiritualität. Später in Mohammed: Sein Leben und seine Lehre (1896) würdigt er den Propheten und den islamischen Monotheismus, bemängelt aber das Fehlen progressiver Ideale. Solov’evs mystische Sophia-Visionen, die seine Idee einer übergreifenden „Religion des Heiligen Geistes“ prägten, werden als Schlüssel zum Verständnis seines inklusiven, aber unvollendeten Universalismus hervorgehoben. Trotz seiner christlich-eschatologischen Schwerpunkte deutet sein Schweigen zum Islam in Drei Gespräche über den Antichrist auf eine implizite Anerkennung seiner spirituellen Rolle hin.