Spektrum Iran
Schlüsselwörter = Mystik

Rudolf Otto und seine Stellung zum Islam

Volumen 38, Ausgabe 1, Juli 2025, Seiten 249-271

https://doi.org/10.22034/spektrum.2025.529618.1036

roland pietsch

Abstrakt Nach einem Überblick über Rudolf Ottos Leben und Werk wird seine Phänomenologie des Heiligen kurz skizziert. Anschließend wird seine Stellung zum Islam anhand seiner Reiseberichte und später seiner Schriften dargelegt. Das Heilige ist für Rudolf Otto das Innerste jeder wahren Religion. Um das Heilige von seiner sprachlichen Nebenbedeutung als sittliche Vollkommenheit zu unterscheiden, verwendet Otto den Begriff des Numinosen als eine numinose Deutungs- und Bewertungs-kategorie. Rudolf Otto sieht das Innerste der Religionen im Einklang mit ihren äußeren Formen, etwa der mystischen Leere mit der architektonischen Leere von Moscheen.

Beziehungen zwischen Recht und Moral in der islamischen Mystik und Philosophie: Eine Reflexion über Al-Risala Al-Qushayriyya und Akhlaq-i Nasiri

Volumen 37, Ausgabe 1, August 2024, Seiten 158-200

https://doi.org/10.22034/spektrum.2024.203855

Mahdi Bahrami

Abstrakt Diese Forschung untersucht zwei bekannte Texte der islamischen Ethik, Al-Risala Al-Qushayriyya und Akhlaq-i Nasiri, und beschreibt, analysiert und vergleicht zwei Ansätze zur Gerechtigkeit. Im ersten Ansatz, vertreten von Qushayri, wird die zentrale Rolle der Gerechtigkeit an Individuen übertragen, die im Kontext der Ethik erzogen wurden und eigenständig für das Wohl der Gemeinschaft sorgen. Hier setzt individuelles ethisches Verhalten die Fürsorge für andere voraus, und eine moralisch entwickelte Person, die Eigenschaften wie Geduld, Großzügigkeit und Freiheit verkörpert, schützt sowohl die religiösen Normen und hilft den Menschen in der Gesellschaft. Im Ansatz von Khaaje Nasir hingegen, der auf einem umfassenden platonisch-aristotelischen Konzept der Ethik basiert und sowohl individuelle als auch soziale Aspekte berücksichtigt, schafft die vollständige Verwirklichung individueller Gerechtigkeit die Grundlage für die Herrschaft eines gerechten Individuums und somit für die systematische Realisierung sozialer Gerechtigkeit. Zunächst scheint Khaaje Nasirs weiser Ansatz aufgrund seiner Vollständigkeit und Durchführbarkeit gegenüber Qushayris individualistischem mystischen Ansatz vorzuziehen zu sein, jedoch wird nach der Trennung von Recht und Moral, wie in neueren Studien zur Moralphilosophie vorgeschlagen, diese Präferenz infrage gestellt.

Können Dichter ihre Herkunft von ihrer Dichtung trennen? Auf Persisch fühlen, auf Deutsch schreiben

Volumen 34, Ausgabe 1, Juni 2021, Seiten 181-204

https://doi.org/10.22034/spektrum.2021.190213

Mitra Shahmoradi

Abstrakt Sprache ist das wichtigste Element, um in einer anderen Gesellschaft und Kultur zu überleben – vor allem im geistigen Sinne, fernab von der eigenen Muttersprache und Kultur. Ich schreibe häufig in einer Sprache, die nicht meine Muttersprache ist, doch bedeutet das keineswegs, dass ich die Verbindung zu meiner ursprünglichen Kultur verloren habe. Im Gegenteil: Je länger ich in einer anderen Kultur lebe und je älter ich werde, desto stärker wird die Sehnsucht nach meiner Heimat in mir. In meinen Texten kehre ich oft zurück zum verlorenen Paradies, zur ewigen Verdammnis, dass der Mensch aus dem Paradies vertrieben wurde. Dieser Gedanke kommt mir immer wieder in den Sinn, wenn ich mich verloren fühle und mich frage, ob die Ängste des Lebens nicht mit der ewigen Urangst verbunden sind und ob die Sehnsucht nach Heimat dort ihren Ursprung hat. Ereignisse des realen Lebens können in mir uralte kollektive Gefühle wecken und sich mit metaphysischen Erfahrungen verbinden.

Die „Erklärung zum Zweiten Schritt der Revolution“ und ihre Bedeutung hinsichtlich der gesellschaftspolitischen Problematik Irans

Volumen 33, Ausgabe 2, November 2020, Seiten 1-22

https://doi.org/10.22034/spektrum.2020.184476

Abbas Ali Rahbar

Abstrakt Die Erklärung zum zweiten Schritt der Revolution als strategische und intelligente Charta verweist auf drei synergetische und miteinander verbundene Achsen: „Theorie des revolutionären Systems, Potenzial der Islamischen Republik Iran und die langfristige Perspektive einer neuen islamischen Zivilisation.“ Die Stärken der Islamischen Republik Iran – wie die Etablierung einer religiösen Demokratie, politische Unabhängigkeit, nationales Selbstvertrauen und die Beteiligung des Volkes an seinem politischen und sicherheitspolitischen Schicksal – legen auf der Grundlage historischer Belege einen realistischen Fokus auf sozialpolitische Fragestellungen. Unter Anwendung eines interpretativen Ansatzes und unter Nutzung der Technik der Eliten-Stichprobenanalyse stellt dieser Artikel die qualitative These auf, dass sich die wichtigsten sozialpolitischen Herausforderungen der Islamischen Republik Iran in Bereichen wie fehlende umfassende Gerechtigkeit, staatsabhängige Wirtschaft, Transformation authentischer human-religiöser Werte sowie Oberflächlichkeit gegenüber dem Feind zusammenfassen lassen.

Die Perle aus der Muschel des Weltalls: Wolfram von Eschenbachs Parzival und der Orient

Volumen 33, Ausgabe 1, Juni 2020, Seiten 73-108

roland pietsch

Abstrakt Der Artikel untersucht die tiefgreifenden Verbindungen zwischen Wolfram von Eschenbachs mittelalterlichem Epos Parzival und östlichen Traditionen, insbesondere der persischen und islamischen Mystik. Parzival ist ein Schlüsselwerk der abendländischen Literatur, das den Gral (als Stein, Kelch oder Becher) als Symbol geistiger Königsherrschaft und universalen Friedens einführt. Die Handlung folgt Parzivals Suche nach dem Gral, verknüpft mit Themen wie Rittertum, Erlösung und interreligiösem Dialog. Wolframs Werk zeigt Einflüsse aus altiranischen, gnostischen und islamischen Quellen, die mit christlicher Symbolik verschmelzen. Figuren wie Gahmuret (Parzivals Vater, ein christlicher Ritter im Dienst des Kalifen von Bagdad) und Feirefiz (sein halbheidnischer Bruder) verbinden Orient und Okzident. Der Gral symbolisiert göttliches Wissen, das nur durch spirituelle Erleuchtung erlangt werden kann – ein Motiv, das an sufische und zoroastrische Lehren erinnert. Der Artikel analysiert auch das Lied von der Perle, einen iranisch-gnostischen Text, der Parzivals Weg spiegelt. Letztlich transzendiert Wolframs Epos religiöse Grenzen und verweist auf eine universelle „Urüberlieferung“.

Mit den Augen des Herzens sehen -Über die Symbolik der mystisch-metaphysischen Schau im Islam

Volumen 32, Ausgabe 1, Marsch 2019, Seiten 1-17

Roland Pietsch

Abstrakt Der erste Teil dieses Beitrags befasst sich mit der allgemeinen Bedeutung der Symbole, die die Wahrheit darstellen und über Denken und Wahrnehmung hinausgehen. Der zweite Teil beschreibt vier Zustände des Herzens gemäß at-Tirmiḏīs Abhandlung Bayān al-farq bayna a-adr wa-l-qalb wa-l-fuʾād wa-l-lubb. Im letzten und zentralen Teil des Beitrags wird Ibn ʿArabīs Lehre von der mystisch-metaphysischen Erkenntnis sowie seine Lehre vom „Auge des Herzens“ auf Grundlage seiner Fuū al-ikam erläutert.