Von Allem und vom Einen Georg Wilhelm Friedrich Hegel über Maulānā Ğalāl ad-Dīn Rūmi
Volumen 35, Ausgabe 1, April 2022, Seiten 69-86
Roland Pietsch
Abstrakt In diesem Artikel wird die Rezeption von Jalāl ad-Din Mohammad Rūmī (1207-1273) durch Georg Friedrich Wilhelm Hegel (1770-1831) vorgestellt und untersucht. In der Einleitung werden die Hauptmerkmale von Hegels Philosophie kurz umrissen, wobei besonderes Augenmerk auf seine Haltung zum Pantheismus gelegt wird. Danach wird Hegels Rezeption von Rūmī in seiner „Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften“, seinen „Vorlesungen über Ästhetik“ und seinen „Vorlesungen über die Religionsphilosophie“ gezeigt. Schließlich wird Hegels Aussage untersucht, in der er eine große Übereinstimmung mit Rūmī behauptet.
Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen und die islamische Mystik
Volumen 34, Ausgabe 1, Juni 2021, Seiten 111-138
https://doi.org/10.22034/spektrum.2021.190166
roland pietsch
Abstrakt Der Heilige Römische Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen (1194–1250), eine der bedeutendsten Herrscherpersönlichkeiten des Mittelalters, berief Gelehrte aus Europa und der islamischen Welt an seinen sizilianischen Hof, um die Wissenschaft zu fördern. Nach einem kurzen Überblick über das Leben des Kaisers befasst sich der Artikel hauptsächlich mit seiner geistigen Verbindung zur islamischen Welt. Diese Verbindung kulminiert in einer Reihe von Fragen, die der Kaiser auf Arabisch – einer Sprache, die er hervorragend beherrschte – an muslimische Gelehrte richtete. Diese Fragen wurden ausführlich von dem andalusischen Gelehrten und Mystiker ʿAbd al-Ḥaqq ibn Sabʿīn (1216/1217–1270) beantwortet. Seine Antworten, die sogenannten „Sizilianischen Fragen“ (al-masāʾil al-ṣiqilliyya), werden im Beitrag eingehend analysiert. Die wichtigsten Fragen betreffen:
1.die Ewigkeit der Welt,
2.die göttliche Wissenschaft – mystisches Wissen,
3.die aristotelischen Kategorien,
4.die Unsterblichkeit der Seele,
5.die Interpretation des Hadiths: „Das Herz der Gläubigen liegt zwischen zwei Fingern des Barmherzigen.“ Diese Fragen selbst stellen ein einzigartiges Zeugnis für die intellektuellen Beziehungen zwischen dem mittelalterlichen christlichen Europa und der islamischen Welt dar. Nāṣir ad-Dīn al-Furāt schrieb etwa ein Jahrhundert nach dem Tod Friedrichs II. von Hohenstaufen: „Man sagt, der Kaiser sei insgeheim Muslim gewesen, aber Gott weiß es besser um seinen Zustand und seinen Glauben.“
Das Paradoxon des Monotheismus
Volumen 33, Ausgabe 1, Juni 2020, Seiten 1-4
Henry Corbin
Abstrakt Henry Corbin behandelt in seinem späten Text die geistige Krise des modernen Menschen als Folge eines veräußerlichten Monotheismus. Die westliche Säkularisierung und der Nihilismus seien Ausdruck einer inneren Entleerung des Gottesbegriffs. Statt einer Ablehnung des Glaubens fordert Corbin eine Rückbesinnung auf die mystische Tiefe des Monotheismus. Er unterscheidet zwischen einem exoterischen, dogmatischen Gottesbild und einem esoterischen, innerlich erfahrbaren Gott. Seine wichtigsten Bezugspunkte sind islamische Mystiker wie Ibn ʿArabi, Suhrawardi und Haydar Amoli. Der wahre Tawḥīd bedeutet keine numerische Einheit, sondern eine metaphysische Beziehung jenseits der Vergegenständlichung Gottes. Der Mensch spielt darin eine zentrale Rolle als Mittler zwischen göttlicher und irdischer Welt – als „spiritueller Ritter“. In einer esoterischen Ökumene erkennt Corbin die Legitimität vielfältiger religiöser Wege. Er warnt vor der Erstarrung des Glaubens in bloßen Dogmen ohne gelebte Erfahrung. Der Text ist eine konzentrierte Summe seines Denkens und ein Aufruf zur Erneuerung religiöser Tiefe.
Die göttlichen Hierarchien-Das Paradoxon des Monotheismus
Volumen 33, Ausgabe 1, Juni 2020, Seiten 39-72
Henry Corbin
Abstrakt Diese Arbeit untersucht das Konzept der göttlichen Hierarchien in der islamischen Mystik und vergleicht es mit der neuplatonischen Philosophie. Mit Fokus auf Suhrawardi und die ishraqi-Schule analysiert Corbin die Rolle der Engel und lichtvollen Hierarchien im kosmischen System. Die Studie zeigt, wie Suhrawardi zoroastrische Konzepte wie den Engel Bahman mit islamischer Philosophie verbindet, um ein System von Licht und Finsternis zu schaffen, in dem Engel als göttliche Vermittler wirken.
Corbin betont besonders die Rolle des "Heiligen Geist-Engels" als Mittler zwischen Menschen und der göttlichen Sphäre. Dieser Engel, vergleichbar mit Gabriel in der islamischen Tradition und dem Heiligen Geist im Christentum, leitet die spirituelle Reise der Menschen. Die Untersuchung umfasst vergleichende Analysen mit mormonischer Theologie und Samuel Butlers Schriften.
Ein wesentlicher Teil befasst sich mit der "königlichen Ordnung des Bahman-Lichtes", die Suhrawardi als Modell einer mystischen Gemeinschaft darstellt. Diese Ordnung spiegelt die Engelhierarchien in der menschlichen Gesellschaft wider und verbindet das Meister-Schüler-Verhältnis im Sufismus mit himmlischen Strukturen.
Die Weisheit der Erleuchtung - Über die Lichtmetaphysik von Šihāb al-Dīn Yaḥya al-Suhrawardī und ihre weitreichenden Zusammenhänge
Volumen 32, Ausgabe 2, September 2019, Seiten 21-44
roland pietsch
Abstrakt Im Kontext der islamischen Illumination und Metaphysik insgesamt stellt die Lichtmetaphysik des iranischen Mystikers und Philosophen Šihāb ad-dīn Yaḥyā Suhrawardī (1154–1209) zweifellos einen bedeutenden Höhepunkt dar. Nach einem kurzen Überblick über Suhrawardīs Leben und Werke skizziert dieser Beitrag die zentralen Elemente seiner mystisch-metaphysischen Illuminationstheorie. Zunächst wird deutlich gemacht, dass der Ausgangspunkt und die Grundlage von Suhrawardīs Metaphysik der Koran ist. In einem ersten Schritt erfolgt eine knappe Darstellung der Lichterklassifikation. In einem zweiten Schritt werden die einzelnen Stufen und Ordnungen der Manifestationen und Zeichen des göttlichen Lichts beschrieben. Anschließend werden Suhrawardīs Ansichten über die Lichter sowie die Stufen des mystischen Pfades zum göttlichen Licht erläutert. Dabei werden auch die Haltung der altiranischen Religion und die von Suhrawardī erwähnte platonisch-plotinische Philosophie berücksichtigt.
