Spektrum Iran
Schlüsselwörter = Persische Sprache

Der Tod Jesu in persischen Koranübersetzungen bis zum 12. Jahrhundert

Volumen 35, Ausgabe 2, November 2022, Seiten 153-166

Seyed Hossein Morakabi, Masoud Pourahmadali Tochahi

Abstrakt Der Koran wurde im späten 6. und frühen 7. Jahrhundert auf Arabisch verfasst und wird von Muslimen als direkte Offenbarung Gottes an den Propheten Muhammad angesehen. Die Ähnlichkeiten zwischen den Konzepten des Korans und der Bibel sind so zahlreich, dass niemand daran zweifelt, dass der Koran eine Fortsetzung der jüdisch-christlichen Tradition darstellt. Dennoch unterscheiden sich die heute existierenden islamischen Konfessionen in grundlegenden Glaubensfragen von den christlichen Konfessionen, wobei die Kreuzigung von Jesus eine der bedeutendsten Differenzen ist. Das wichtigste Dokument dieses Glaubens ist Vers 157 der Sure An-Nisa im Koran, der offen für Interpretationen ist.
Nach dem Tod des Propheten griffen arabische Muslime 633 das benachbarte Sassanidenreich im Norden an. Sie waren siegreich, und seitdem nahmen die Perser den Islam als Staatsreligion an. Daher war es notwendig, den Koran ins Persische zu übersetzen. Soweit diese Übersetzungen bis heute erhalten sind, bieten sie wertvolle Einblicke in die frühe Phase der islamischen Kultur. Die Analyse der persischen Übersetzungen zeigt, dass in allen sechs erhaltenen Übersetzungen bis zum 11. Jahrhundert der Tod Jesu akzeptiert wurde. Spätere theologische Entwicklungen im Zentrum der islamischen Welt führten jedoch zu einer anderen Interpretation von Vers 157 der Sure An-Nisa, und diese neue Interpretation konnte sich als Standardinterpretation etablieren. Die theologischen Kontroversen werden hier beiseitegelassen, und dieser Artikel befasst sich mit der Präsentation und Analyse der alten persischen Übersetzungen dieses Verses. Diese syntaktischen und pragmatischen Analysen zeigen, dass in den frühen Übersetzungen des Korans ins Persische der Tod Christi akzeptiert wurde.

Zum Sprachgendern Mit einem Seitenblick auf die persische Sprache

Volumen 31, Ausgabe 1, Februar 2018, Seiten 45-52

Mehrdad Saeedi

Abstrakt Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem sprachlichen Gendern, einem Thema, das in Deutschland häufig und emotional diskutiert wird. In diesem Zusammenhang wird es auf die persische Sprache angewandt, um die Situation im Iran zu beleuchten. Die zentrale Frage lautet: Wie geschlechtergerecht ist das Persische im Iran, d. h. wie kompatibel bzw. aussagekräftig ist die Sprache in Bezug auf Genderfragen auf sprachlicher, kultureller und politischer Ebene? Der eigentliche Anlass zur Auseinandersetzung mit diesem kontroversen, aber auch aktuellen Thema liegt in den unterschiedlichen anthropologischen Selbstbildern, die durch jeweilige Kultur-, Bildungs- und Geschlechterpolitiken in Iran als religiöser Demokratie einerseits und Deutschland als säkularer Demokratie andererseits (re)produziert werden. Es scheint, dass das sprachliche Gendern ein Feld ist, auf dem linksliberale demokratische Kreise – unter Ausblendung kritischer Stimmen aus sogenannten konservativen Schichten der Gesellschaft – versuchen, einen neuen Menschentypus zu schaffen, der jenseits der Kategorie Geschlechtsidentität definiert wird; ein Modell, das dem der Islamischen Republik Iran, welches stets als rückschrittlich und überholt gilt, diametral entgegengesetzt ist. Der Autor vertritt eine kritische Perspektive auf das sprachliche Gendern, da es an sprachliche Ideologie grenzt. Dabei wird nicht behauptet, dass es keine geschlechtsspezifische Diskriminierung gibt. Die eigentliche Frage sollte jedoch lauten: Wie relevant ist sprachliche Korrektur im Hinblick auf die reale geschlechtliche Ungleichheit?