Spektrum Iran
Schlüsselwörter = Monotheismus

Der Zoroastrismus als prononcierter Monotheismus

Volumen 37, Ausgabe 2, Dezember 2024, Seiten 177-201

https://doi.org/10.22034/spektrum.2025.501270.1019

Detlef Thiel

Abstrakt Im ersten Teil dieses zweiteiligen Aufsatzes wurde Zarathustras Sonderstellung als erster Religionsstifter in den Fokus genommen. In diesem Aufsatz wird gezeigt, dass durch das Wirken von Zarathustra der Polytheismus abgelöst wurde zugunsten eines radikalen Monotheismus. Aus einer Ritualreligion wurde durch das Wirken von Zarathustra eine Buchreligion auf der Basis des Avesta. Im Zentrum dieser steht Ahuramazda, mit dem der Prophet und Religionsstifter durch Offenbarungen ein fast freundschaftliches Verhältnis pflegt. Darüber hinaus entwickelt Zarathustra eine neue Eschatologie mit der klaren Trennung von positiv besetztem Jenseits auf der einen und einer Höllenvorstellung auf der anderen Seite. Das menschliche Handeln im Diesseits ist die Grundlage dafür, wie über sein postmortales Schicksal im Jenseitsgericht befunden wird. Darüber hinaus werden im Aufsatz die Bedingungen in den Blick genommen, die einen solchen prononcierten Monotheismus erst ermöglichen sowie die Schattenseiten, die ein Monotheismus mit sich bringt. Zarathustra wird schließlich als der definiert, der – neben Echnaton im Alten Ägypten – erstmalig und völlig ohne fremden Einfluss diese monotheistische Spielart kreierte, die dann über das Judentum und Christentum sogar Eingang in den Islam fand.

Die Stellung des Propheten Zarathustra innerhalb der Religionsstifter Eine Neubewertung von Zarathustra aus religionswissenschaftlicher Sicht

Volumen 37, Ausgabe 1, August 2024, Seiten 24-49

https://doi.org/10.22034/spektrum.2024.203853

Thiel Detlef

Abstrakt Die Reihe der Religionsstifter beginnt mit Zarathustra, dem Begründer des antiken Zoroastrismus, der bis in die heutige Gegenwart noch gläubige An-hänger kennt, z.B. die Parsen. Der Aufsatz unternimmt den Versuch, Za-rathustra gleichberechtigt in die Reihe der Religionsstifter zu stellen, einige Gemeinsamkeiten mit anderen Religionsstiftern aufzuzeigen, aber auch seine Besonderheiten herauszuarbeiten. Um seine Person und sein Wirken ranken sich viele Legenden. In diesem Artikel soll der wahre Kern seiner Botschaft jenseits aller Mythen herausgearbeitet werden. Zarathustra gilt als der Be-gründer des Monotheismus, der das Judentum beeinflusste und im Christen-tum und Islam modifiziert weiterwirkte. Der Aufsatz ist zugleich eine me-thodische Prüfung, inwieweit Zarathustra als Prophet mit anderen Religions-stiftern verglichen und inwieweit der Zoroastrismus auf dieser Basis zu den Weltreligionen gerechnet werden kann.

Das Paradoxon des Monotheismus

Volumen 33, Ausgabe 1, Juni 2020, Seiten 1-4

Henry Corbin

Abstrakt Henry Corbin behandelt in seinem späten Text die geistige Krise des modernen Menschen als Folge eines veräußerlichten Monotheismus. Die westliche Säkularisierung und der Nihilismus seien Ausdruck einer inneren Entleerung des Gottesbegriffs. Statt einer Ablehnung des Glaubens fordert Corbin eine Rückbesinnung auf die mystische Tiefe des Monotheismus. Er unterscheidet zwischen einem exoterischen, dogmatischen Gottesbild und einem esoterischen, innerlich erfahrbaren Gott. Seine wichtigsten Bezugspunkte sind islamische Mystiker wie Ibn ʿArabi, Suhrawardi und Haydar Amoli. Der wahre Tawḥīd bedeutet keine numerische Einheit, sondern eine metaphysische Beziehung jenseits der Vergegenständlichung Gottes. Der Mensch spielt darin eine zentrale Rolle als Mittler zwischen göttlicher und irdischer Welt – als „spiritueller Ritter“. In einer esoterischen Ökumene erkennt Corbin die Legitimität vielfältiger religiöser Wege. Er warnt vor der Erstarrung des Glaubens in bloßen Dogmen ohne gelebte Erfahrung. Der Text ist eine konzentrierte Summe seines Denkens und ein Aufruf zur Erneuerung religiöser Tiefe.

Der eine Gott und die vielen Götter- Das Paradoxon des Monotheismus

Volumen 33, Ausgabe 1, Juni 2020, Seiten 5-38

Henry Corbin

Abstrakt Dieser Artikel untersucht grundlegend das Paradoxon des Monotheismus aus der Perspektive der islamischen Mystik. Unter Bezugnahme auf die Werke von Ibn Arabi und seinem bedeutenden Kommentator Haydar Amoli präsentiert Henry Corbin eine dreistufige Analyse der Entwicklung des monotheistischen Verständnisses. In der ersten Stufe verfällt der exoterische und konventionelle Monotheismus, der Gott als höchstes Wesen (Ens supremum) begreift, tatsächlich in die Falle der "metaphysischen Idolatrie". In der zweiten Stufe transzendiert der esoterische Monotheismus diese Begrenzung und entdeckt die "Einheit des Seins" (wahdat al-wujud), in dem Gott kein Wesen, sondern reines Sein und reine Tat selbst ist. Schließlich werden in der dritten Stufe durch die Etablierung einer "integralen Ontologie" Einheit und Vielheit in der göttlichen Sphäre versöhnt. Corbin vergleicht diesen gedanklichen Weg mit der neuplatonischen Philosophie des Proklos, die eine tiefe Harmonie zwischen dem einen Gott und den vielen göttlichen Manifestationen herstellt. Durch eine detaillierte Analyse der Diagramme von Haydar Amoli zeigt der Autor auf, wie diese Perspektive zu einem umfassenderen Verständnis des Verhältnisses zwischen ontologischer Einheit und scheinbarer Vielheit im Bereich der mystischen Theologie führen kann.