Spektrum Iran
Schlüsselwörter = Generative K&uuml
Künstliche Intelligenz (KI)

Konstruktion von Geschlecht im Anthropomorphisieren Generativer KI: Ein Zusammenspiel von Gesellschaft und Technologie

Volumen 38, Ausgabe 2, Juli 2025, Seiten 293-324

https://doi.org/10.22034/spektrum.2026.566965.1057

Shalaleh Meraji Oskuie

Abstrakt Menschen anthropomorphisieren computerisierte Entitäten wie die Generative Künstliche Intelligenz (GAI), indem sie ihnen menschenähnliche physische Merkmale, mentale Zustände oder soziale Eigenschaften zuschreiben, einschließlich Geschlecht. GAI reflektierte als soziotechnischer Akteur sowohl die Gesellschaft, die sie hervorbrachte, als auch formte diese. Entsprechend waren die Schnittstellen von GAI und Geschlecht wechselseitig ko-konstitutiv. Geschlecht war in KI-Technologien eingebettet, wurde reproduziert, vollzogen, materialisiert und verkörpert. Die vorliegende Studie untersuchte Anthropomorphisierung und die Vergeschlechtlichung von GAI aus einer sozialkonstruktivistischen Perspektive und analysierte, wie Individuen bei der Anthropomorphisierung von GAI (un)bewusst stereotype geschlechtliche Erwartungen übernahmen. In dieser Studie wurde ein eingebettetes Mixed-Methods-Design eingesetzt, bei dem quantitative Daten in einen überwiegend qualitativ ausgerichteten Forschungsansatz integriert wurden. Qualitative und quantitative Daten wurden simultan mittels gezielter Gelegenheitsstichprobe erhoben; 67 iranische Teilnehmende füllten den Online-Fragebogen aus. Die Studie begann mit einer autoethnografischen Vignette. Der quantitative Teil folgte der Logik der Q-Methodologie, wobei Teilnehmende als Variablen behandelt wurden, um unterscheidende Items zu identifizieren. Die qualitativen Daten wurden mithilfe der thematischen Analyse ausgewertet. Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden wies GAI weder ein Geschlecht noch einen Namen zu, während etwa die Hälfte der verbleibenden Teilnehmenden ein variables Geschlecht (männlich, weiblich oder geschlechtslos) zuwies und die übrigen Teilnehmenden ein festes, überwiegend männliches Geschlecht attribuierten. Viele Teilnehmende anthropomorphisierten GAI nicht und betonten seinen maschinellen Charakter, während die Antworten anderer Teilnehmender zeigten, dass menschenähnliche Bindungen, Geschlechtszuschreibungen, Benennungspraktiken sowie die Art und Weise, wie diese anthropomorphen Praktiken durch die Nutzung von GAI geprägt wurden, breitere kulturelle Normen widerspiegelten. Dies deutete darauf hin, dass wahrgenommenes Geschlecht in GAI sozial hervorgebracht und nicht intrinsisch war. Da emotionale Bindungen zu zunehmend humanisierten GAI-Chatbots sowohl negative als auch positive Folgen haben können, ist eine Förderung der GAI-Kompetenz erforderlich. Es wird empfohlen, dass politische Entscheidungsträger und Bildungseinrichtungen Maßnahmen zur Stärkung der GAI-Kompetenz entwickeln und dass GAI-Unternehmen Formen der Selbstregulierung einführen, um Nutzer zu schützen.