Spektrum Iran
Schlüsselwörter = Menschenw&uuml
Political, Legal, and Global Studies

Menschenwürde und humanitäres Recht im islamischen Denken

Volumen 39, Ausgabe 1, Januar 2026, Seiten 191-223

https://doi.org/10.22034/spektrum.2026.590465.1070

Ali Akbar Alikhani, Mahnaz Shahalizade

Abstrakt Die Menschenwürde bildet ein grundlegendes Prinzip des islamischen Denkens und einen normativen Rahmen für humanitäre Prinzipien in bewaffneten Konflikten. Obwohl das internationale humanitäre Völkerrecht umfassend erforscht wurde, ist die Verbindung zwischen Menschenwürde und humanitären Normen innerhalb der islamischen Denktradition bislang nicht systematisch untersucht worden. Diese Studie analysiert die konzeptionellen Grundlagen der Menschenwürde, identifiziert zentrale humanitäre Normen in islamischen Quellen und untersucht ihre gegenseitige Beziehung. Methodisch verwendet die Untersuchung eine qualitative Inhaltsanalyse und eine historische Analyse des Korans, der prophetischen Sunna, Nahdsch al-Balāghas sowie ausgewählter historischer Quellen, um normative und historische Dimensionen humanitären Handelns herauszuarbeiten. Die analytischen Kategorien wurden induktiv aus den untersuchten Texten entwickelt. Die Ergebnisse zeigen, dass Menschenwürde im Islam als inhärente und universelle Eigenschaft aller Menschen verstanden wird, unabhängig von Religion, Ethnie oder politischer Zugehörigkeit. Dieses Verständnis bildet die Grundlage für humanitäre Prinzipien wie die Bevorzugung friedlicher Konfliktlösungen, das Verbot der Aggression, den Schutz von Zivilpersonen, die Achtung von Verwundeten, Kriegsgefangenen und Personen außerhalb der Kampfhandlungen (hors de combat) sowie das Verbot von Verrat und Verstümmelung. Diese Prinzipien gelten sowohl für innerstaatliche als auch internationale bewaffnete Konflikte und sind nicht auf Beziehungen zwischen Muslimen beschränkt. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die Menschenwürde im islamischen Denken eine philosophische und normative Grundlage humanitären Rechts darstellt und eine wichtige Grundlage für den Dialog mit dem modernen internationalen humanitären Völkerrecht bietet.