Iran als Ursprung: Zu originellen Thesen Mahmoud Houmans über die Anfangsmomente der Geschichte Irans
Volumen 33, Ausgabe 2, November 2020, Seiten 165-191
https://doi.org/10.22034/spektrum.2020.190288
Masoud Pourahmadali Tochahi
Abstrakt Mahmoud Human gehört zu den bedeutendsten iranischen Intellektuellen der Gegenwart. Seine Bedeutung zeigt sich nicht nur in der Vielfalt der von ihm bearbeiteten wissenschaftlichen Disziplinen, den einzigartigen Werken, die er in diesen Forschungsgebieten hinterlassen hat, der Relevanz seiner Forschungsfragen oder seiner kritischen Haltung gegenüber den Untersuchungsgegenständen, sondern vor allem in seinen radikalen Thesen zur Frühgeschichte Irans. Er vertritt drei zentrale Thesen: Erstens die These von der iranischen Grundlage der mesopotamischen Zivilisation, zweitens zur Herkunft und den Wurzeln der Arier im Iran und drittens zum Alter und der Kontinuität der vorachämenidischen iranischen Geschichte. Diese drei Thesen verbindet die Grundidee, dass der Iran nicht nur eine alte Zivilisation wie andere ist, sondern zu den kreativen Ursprüngen der Weltzivilisation zählt. Der vorliegende Artikel untersucht diese drei Thesen Mahmoud Humans und die Argumente, die sie untermauern.
Das Paradoxon des Monotheismus
Volumen 33, Ausgabe 1, Juni 2020, Seiten 1-4
Henry Corbin
Abstrakt Henry Corbin behandelt in seinem späten Text die geistige Krise des modernen Menschen als Folge eines veräußerlichten Monotheismus. Die westliche Säkularisierung und der Nihilismus seien Ausdruck einer inneren Entleerung des Gottesbegriffs. Statt einer Ablehnung des Glaubens fordert Corbin eine Rückbesinnung auf die mystische Tiefe des Monotheismus. Er unterscheidet zwischen einem exoterischen, dogmatischen Gottesbild und einem esoterischen, innerlich erfahrbaren Gott. Seine wichtigsten Bezugspunkte sind islamische Mystiker wie Ibn ʿArabi, Suhrawardi und Haydar Amoli. Der wahre Tawḥīd bedeutet keine numerische Einheit, sondern eine metaphysische Beziehung jenseits der Vergegenständlichung Gottes. Der Mensch spielt darin eine zentrale Rolle als Mittler zwischen göttlicher und irdischer Welt – als „spiritueller Ritter“. In einer esoterischen Ökumene erkennt Corbin die Legitimität vielfältiger religiöser Wege. Er warnt vor der Erstarrung des Glaubens in bloßen Dogmen ohne gelebte Erfahrung. Der Text ist eine konzentrierte Summe seines Denkens und ein Aufruf zur Erneuerung religiöser Tiefe.
Von Balkh bis Ṭanǧa – Geschichte und Geschichten von Adaption und Akkulturation (8.–12. Jahrhundert)
Volumen 33, Ausgabe 1, Juni 2020, Seiten 185-187
https://doi.org/10.22034/spektrum.2020.225766
Gabriele Dold-Ghadar
Abstrakt Der Artikel untersucht die Dynamiken von Migration und kulturellem Austausch zwischen dem Osten (insbesondere Iran) und dem Westen (mit Fokus auf Al-Andalus) vom 8. bis 12. Jahrhundert. Er hinterfragt das vereinfachende Motto „Migration bereichert“ und analysiert komplexe Akkulturationsprozesse, bei denen nicht alle übertragenen Elemente angenommen oder bewahrt wurden. Im Mittelpunkt stehen Händler, Gelehrte und Handwerker als Vermittler kultureller Einflüsse, darunter persische Spuren in Religion, Architektur (z.B. sassanidische Motive im Löwenhof der Alhambra), Dichtung und Medizin. Thematische Schwerpunkte umfassen die jüdisch-persische Diaspora, die Adaptation sassanidischer Kunst in Andalusien und persische Lehnwörter im Spanischen. Die Studie zeigt, dass Kulturaustausch oft zufällig – geprägt durch Handel, Eroberungen und Gelehrtennetzwerke – stattfand, nicht durch gezielte Politik.
Die Untersuchung von Damāwand in den geografischen Texten und islamisch-historischen Landkarten
Volumen 32, Ausgabe 2, September 2019, Seiten 133-142
Fatemeh Faridimajid, Tahmores Sajedi Saba
Abstrakt Der Berg Damāvand, als nationales Symbol Irans, hat eine tiefgreifende historische Bedeutung im Glauben der Perser sowie in archäologischen, geografischen und historischen Funden und Texten. Dieses nationale Symbol war keineswegs nur eine geografische Erscheinung, sondern auch die Quelle bedeutender Mythen, die sich um seine Hänge ranken. Obwohl bereits zahlreiche Studien zu Namen, Mythologie, Geschichte, Geologie und Geografie von Damāvand durchgeführt wurden, ist die Verortung des Berges in historischen Karten und geografischen Texten bislang nicht umfassend untersucht worden. Die vorliegende Studie versucht mittels historisch-deskriptiver Forschungsmethoden den Standort des Damāvand zu bestimmen. Dabei zeigt sich, dass Perser und Muslime den Berg Damāvand in ihren historischen Karten und geografischen Schriften korrekt als höchsten Berg Irans eingezeichnet und mit mythologischen sowie ehrwürdigen Vorstellungen verbunden haben. Zwar kam es in einigen wenigen Fällen zu Fehleinordnungen, doch die außergewöhnliche Größe des Damāvand und seine Unterscheidung von der gleichnamigen Region wurden in den historischen Quellen immer wieder hervorgehoben.
„Über die Vergangenheit Irans” Rezension und Analyse eines Werks
Volumen 31, Ausgabe 3, September 2018, Seiten 107-114
Ali Shahidi
Abstrakt Zhale Amouzgars Werk Von der Vergangenheit Irans stellt einen konzentrierten und zugleich tiefgründigen Beitrag zur iranischen Altertumskunde dar. Die Autorin vereint philologische Präzision mit kulturgeschichtlicher Reflexion und beleuchtet zentrale Aspekte der vorislamischen iranischen Identität – insbesondere durch die Analyse mittelpersischer Quellen und zoroastrischer Vorstellungen.
Im Mittelpunkt steht dabei die Frage nach dem Umgang mit Geschichte als Erinnerungskultur. Amouzgar plädiert gegen jede ideologische Homogenisierung der Vergangenheit und betont stattdessen deren Pluralität und Diskontinuitäten. Die Rekonstruktion der sasanidischen Religionspolitik oder die Deutung mythischer Königsherrschaft erfolgen stets im Lichte einer historisch variablen Selbstdeutung iranischer Gemeinschaften.
Besonders bemerkenswert ist ihr kulturhermeneutischer Zugang: Religiöse und politische Konzepte werden nicht isoliert behandelt, sondern in ihren symbolischen Verflechtungen interpretiert. So wird das altiranische Königtum als Ausdruck einer kosmologischen Ordnung verstanden, deren Legitimation aus der Einheit von Religion und Herrschaft hervorgeht.
Das Buch ist nicht nur eine Einführung in altiranisches Denken, sondern auch ein Beitrag zur gegenwärtigen Debatte über kulturelle Identität im Iran. Mit kritischer Schärfe und intellektueller Souveränität zeigt Amouzgar, wie historische Erinnerung produktiv gewendet werden kann – jenseits von Idealisierung und ideologischer Vereinnahmung.
