Spektrum Iran
Hauptthemen = Art, Architecture, and Visual Culture
Art, Architecture, and Visual Culture

Neubetrachtung der Spiritualität in der iranischen Architektur durch Mullā Ṣadrās transzendentale Philosophie und das vierstufige Erkenntnismodell

Volumen 39, Ausgabe 1, Januar 2026, Seiten 43-83

https://doi.org/10.22034/spektrum.2026.520432.1032

Khosro Sahaf, Navid Jalaeian Ghane, Alireza Jalaeian Ghane

Abstrakt Die iranische Architektur hat sich im Laufe der Geschichte in enger Verbindung mit Spiritualität entwickelt. Diese Verbindung zeigt sich nicht nur in ihren räumlichen Strukturen, sondern auch in ihren philosophischen Grundlagen. Ziel dieser Studie ist es, die spirituellen Dimensionen der iranischen Architektur auf der Grundlage der Transzendentalen Philosophie Mullā Ṣadrās und des Vierstufigen Erkenntnismodells zu untersuchen. Die Untersuchung folgt einem qualitativen, logisch-interpretativen Forschungsansatz und stützt sich auf Quellen der iranisch-islamischen Weisheitstradition sowie auf die Analyse ausgewählter Beispiele traditioneller iranischer Architektur, insbesondere der Scheich-Lotfollāh-Moschee. Die theoretische Grundlage bildet die Transzendentale Philosophie (al-Hikma al-Mutaʿāliyya), die auf den Prinzipien der Ursprünglichkeit des Seins (Aṣālat al-Wuǧūd), der Abstufung des Seins (Taškīk al-Wuǧūd) und der substanziellen Bewegung (al-Haraka al-Ǧawhariyya) beruht. Aus dieser Perspektive wird Architektur nicht lediglich als materielles Objekt verstanden, sondern als ein existenzielles Phänomen, das geistige und philosophische Bedeutungen verkörpert. Das Vierstufige Erkenntnismodell mit seinen Ebenen Begriffe, Grundlagen, Muster und Manifestationen ermöglicht die Analyse der Bewegung von innerer Bedeutung zu äußerer Form und umgekehrt. Die Ergebnisse zeigen, dass die iranische Architektur über funktionale und ästhetische Aspekte hinaus eine mystische und ontologische Erfahrung des Raumes ermöglicht. Die Prinzipien der Transzendentalen Philosophie Mullā Ṣadrās sowie das Vierstufige Erkenntnismodell bieten daher einen geeigneten theoretischen und methodischen Rahmen zur Interpretation und Wiederbelebung spiritueller Dimensionen in der zeitgenössischen Architektur.

Art, Architecture, and Visual Culture

Die Geopolitik der modernen Architektur im Iran: Die Rolle schwedischer Ingenieurfirmen während der Ära Reza Schah Pahlavis

Volumen 39, Ausgabe 1, Januar 2026, Seiten 85-120

https://doi.org/10.22034/spektrum.2026.551240.1039

Mahdi Motamedmanesh, Sadaf Vahidi

Abstrakt Diese Studie untersucht die Rolle schwedischer Ingenieurfirmen bei der architektonischen Modernisierung Irans während der ersten Pahlavi-Ära und betrachtet Infrastruktur als ein bislang unzureichend erforschtes Instrument der Staatsbildung, nationalen Integration und geopolitischen Selbstbehauptung. Während der Beitrag bedeutender europäischer Ingenieurbüros zur Pahlavi-Modernisierung anerkannt ist, blieb die Rolle skandinavischer Unternehmen weitgehend unbeachtet. Die Forschung schließt diese Lücke durch die Analyse der technischen, konzeptionellen und kulturellen Dimensionen des schwedischen Engagements anhand der Weißen Brücke von Ahvaz und der Ghazian–Mian-Poshteh-Brücke. Auf Grundlage einer deskriptiv-analytischen Methodik sowie von Archivmaterialien, historischen Dokumenten, architektonischen Aufzeichnungen und Felduntersuchungen wird gezeigt, wie schwedische Akteure den Transfer modernistischer Ideen ermöglichten, räumliche Strukturen veränderten und die iranische Baukultur beeinflussten. Die Ergebnisse zeigen, dass ihre Rolle über die eines technischen Auftragnehmers hinausging. Durch die Einführung neuer Materialien wie Stahlbeton und Stahl sowie innovativer beweglicher Brückentechnologien trugen ihre Projekte zur technologischen Modernisierung bei und wurden zugleich zu Symbolen staatlicher Autorität und nationaler Modernisierungsbestrebungen. Darüber hinaus fungierten schwedische Unternehmen als kulturelle Vermittler internationaler Architekturmodelle und wirkten an einer Form der „Architekturdiplomatie“ mit. Die Studie leistet somit einen Beitrag zur transnationalen Architekturgeschichte, zum Technologietransfer und zur Geopolitik der Infrastruktur.