Der Autor konzentriert sich auf die Vergangenheit und Zukunft der interkulturellen Perspektive in der islamischen Philosophie. Ein zentraler Punkt dieses Beitrags ist die Darstellung der Unterschiede zwischen der islamischen Philosophie und ihren griechischen Lehrern. Der Autor hebt, unter Bezugnahme auf die Bedeutung und den Einfluss der Geschichte, hervor, dass die Philosophien von Platon und Aristoteles eng mit der griechischen Paideia verbunden waren, wodurch sie außergewöhnliche Konzepte für den Stadtstaat Athen entwickeln konnten. In diesem Zusammenhang richtet der Autor den Fokus auf die verborgenen Potenziale in der Geschichte des islamischen Denkens. Die griechische Metaphysik wurde außerhalb Europas, insbesondere in der islamischen und iranischen Welt, aufgenommen und führte zu einer Philosophie, die trotz ihrer Verbindung zu den griechischen Begründern spezifische Innovationen hervorgebracht hat. Diese Entwicklungen haben zu einflussreichen Errungenschaften in Verbindung mit der islamischen und iranischen Tradition geführt. In diesem Beitrag wird versucht, eine analytische Darstellung dieser Interaktionen zu geben, um die Verbindungspunkte zur Weltphilosophie aufzuzeigen.
Die griechische Philosophie ist auf die Vollendung des Seins des Menschen in der Polis gerichtet und ist wegweisend für die Bildung (Paideia) der Bewohner der Polis.
Die „islamisch“ genannte Philosophie ist nicht das Ergebnis eines bloßen Frisierens der Lehren Platons und Aristoteles und der Neuplatoniker, sondern die erste große und bedeutende Begegnung zwischen zwei Kulturen. Sie ist eine Philosophie, die mit dem Geist der iranisch-islamischen Welt verbunden ist.
In der Philosophie der islamischen Ära lag schon seit ihrem Anfang das Vermögen, sich der Religion zu nähern. Durch dieses Vermögen und diese Tendenz hat sie versucht, die religiösen Denkweisen mit der Philosophie zu vereinigen. Diese Philosophie beginnt mit einer Erscheinung Gottes als dem absoluten Sein oder dem Sein schlechthin. Es ist zwar richtig, dass es am Anfang keine ausdrückliche Erörterung über Gott gab, aber die Anwesenheit Gottes sowie seine Allmacht und sein Allwissen liegen in den Grundlagen und den Problemen der Metaphysik, zum Beispiel in der Bestimmung des Wesens, der Möglichkeit, der Kausalität und der Notwendigkeit verborgen. Auf Grund dieser metaphysischen Bestimmungen werden die Existenz Gottes sowie seine Eigenschaften erörtert bzw. bewiesen.
Die Philosophen der islamischen Welt haben die griechische Philosophie im Hinblick auf den Horizont, der mit dem Islam geöffnet wurde, interpretiert. Dabei haben sie jedoch die Weisheit ihrer Vorfahren vor dem Islam nicht außer Acht gelassen. Avicenna sprach von der „östlichen Weisheit“ und Suhrawardi bezeichnete die Substanz seiner Philosophie als eine Aneignung der persischen „Khosrawani-Weisheit“. Von Anfang an waren das Denken des antiken Persiens, die Mystik und der Sufismus an der Konstitution der islamischen Philosophie beteiligt. Diese Beteiligung wurde im Laufe der Zeit stärker, so dass wir beim Lesen der Werke der späteren Philosophen der islamischen Welt nicht mehr feststellen bzw. genau unterscheiden können, ob es sich um die Philosophie oder um die Mystik handelt.
Die Zuwendung der Muslime zur griechischen Philosophie, deren Übersetzung und Aneignung, sowie das Nachdenken über ihre Themen sind offenbar eine der größten kulturellen Ereignisse in der gesamten Menschheitsgeschichte. Mit diesem Ereignis wurde die Verbindung, die schon seit der Antike zwischen Griechenland und Persien bestand, im Bereich der Kultur und des Denkens gefestigt. Dadurch hat die Philosophie einen Schritt in Richtung ihres Zwecks, das heißt in Richtung der Einheit der menschlichen Welt gemacht.
Nun hat sich die Moderne überall auf der Welt ausgebreitet und die ganze Welt vereinigt, so dass das Schicksal aller Menschen in allen Regionen der Erde zusammenhängt. In dieser Lage sind sowohl die Erkenntnis der Prinzipien der Moderne als auch die Erkenntnis der Situation der Unterentwicklung auch aus moralischer Sicht bedeutsam und notwendig. Das Verstehen dieser Lage könnte vielleicht eine Voraussetzung für die Öffnung eines neuen Horizontes in einer Welt sein, die von Trübungen, Feindseligkeiten, Ängsten und Gefahren überfüllt ist.
Davari Ardekani,Reza . (2023). Islamische Philosophie und das Verhältnis zwischen Iran und Europa. Spektrum Iran, 36(2), 1-12. doi: 10.22034/spektrum.2023.193265
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Davari Ardekani,Reza . "Islamische Philosophie und das Verhältnis zwischen Iran und Europa", Spektrum Iran, 36, 2, 2023, 1-12. doi: 10.22034/spektrum.2023.193265
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Davari Ardekani Reza. (2023). 'Islamische Philosophie und das Verhältnis zwischen Iran und Europa', Spektrum Iran, 36(2), pp. 1-12. doi: 10.22034/spektrum.2023.193265
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Reza Davari Ardekani, "Islamische Philosophie und das Verhältnis zwischen Iran und Europa," Spektrum Iran, 36 2 (2023): 1-12, doi: 10.22034/spektrum.2023.193265
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Davari Ardekani Reza. Islamische Philosophie und das Verhältnis zwischen Iran und Europa. Spektrum Iran, 2023; 36(2): 1-12. doi: 10.22034/spektrum.2023.193265