Interkulturelle Balance? Zu Goethes West-östlichem Divan
Volumen 36, Ausgabe 1, Juli 2023, Seiten 33-40
https://doi.org/10.22034/spektrum.2023.182665
Anke Bosse
Abstrakt In den Gedichten und der Prosa seines West-östlichen Diwan setzt Goethe interkulturelle Ausgewogenheit und Dialog auf eine Weise um, die den Leser (aller Zeiten) dazu zwingt, sich diese Ausgewogenheit und diesen Dialog mit „skeptischer Beweglichkeit“ anzueignen. Der Artikel zeigt dies anhand von fünf Beispielen: drei Gedichten, der außergewöhnlichen Titelseite der Erstausgabe des Divan (1819) und dem Hafis-Goethe-Denkmal in Weimar. Das letzte, mit Gedichten von Hafis und Goethe geschmückte Gebäude wurde im Jahr 2000 eingeweiht.
Abhilfe für den Mangel an Bodenständigkeit des modernen Zeitalters durch „Gelassenheit“ und „Gerissenheit“ (rendī) Zwei überlappend-analogische Begriffe bei Heidegger und Fardid
Volumen 35, Ausgabe 2, November 2022, Seiten 83-98
Ahmadali Heydari
Abstrakt Martin Heidegger betrachtet Dichter und Denker als Retter, die in der Lage sind, die Krise zu überwinden, die durch die moderne Technologie verursacht wurde. Diese Krise resultiert laut Heidegger aus einem subjektzentrierten Denken. Dichter und Denker sind diejenigen, die ihre Beziehung zu den Dingen, zur Erde, zum Himmel usw. auf eine Weise gestalten, die frei von subjektivem Denken ist. Der zeitgenössische iranische Denker Seyyed Ahmad Fardid hat die Abkehr von der Subjektivität in Heideggers Philosophie mit dem Begriff der „Rendi“ (Schläue oder listige Gelassenheit) in der iranischen mystischen Kultur gleichgesetzt. Er ist der Ansicht, dass Hafis die Merkmale dieses Weges hervorragend dargestellt hat. Hafis bildet den bilateralen Balancepunkt zwischen den dionysischen und apollinischen kulturellen Strömungen in der iranischen Kultur.
Friedrich Georg Jünger und die persische Dichtung
Volumen 34, Ausgabe 2, Dezember 2021, Seiten 117-131
https://doi.org/10.22034/spektrum.2021.184497
Felix Herkert
Abstrakt Dieser Aufsatz untersucht die Rezeption der persischen Dichtung durch den deutschen Philosophen und Dichter Friedrich Georg Jünger (1898–1977). Diese Rezeption ist sowohl für eine werkimmanente Interpretation von Jüngers Gedanken über Dichtung als auch als (bisher vernachlässigtes) Kapitel in der Geschichte der Rezeption persischer Dichtung im deutschsprachigen Raum von Bedeutung. Jüngers Auseinandersetzung mit der persischen Dichtung konzentriert sich auf drei Hauptdichter: Omar Chayyam, Saadi und Hafis, für die Jünger größte Bewunderung empfand. Nach einer historisch-biografischen Einordnung des Themas wird Jüngers Rezeption dieser Dichter inhaltlich skizziert; nicht zuletzt wird ihr Einfluss auf Jüngers eigenes dichterisches Werk untersucht. Es wird aufgezeigt, wie besonders Hafis Jünger inspirierte – sowohl in seinen theoretischen Überlegungen zum Wesen der Dichtung als auch in der Gestaltung einiger eigener Gedichtzyklen.
Die gebannten Wunderbilder, kreisend in seinem Zirkel... Die Übertragung der poetischen Gedankenwelt Hafis̓ in Anbetracht seiner Ghaselen Übersetzung von Joachim Wohlleben
Volumen 31, Ausgabe 1, Februar 2018, Seiten 53-65
Raed Faridzadeh
Abstrakt Die Übersetzung des Divans von Hafis, der zu Recht als ein Schatz der kulturellen Erinnerung Irans gilt, erscheint als eine schwierige, wenn nicht unmögliche Aufgabe. Voraussetzung für ein genaues und umfassendes Verständnis seiner Gedichte ist das Eintauchen in Hafis’ Gedankenwelt sowie die Kenntnis der Traditionen und des kulturellen Kontexts seiner Zeit. Joachim Wohlleben (1936–2004), deutscher Philosoph und Professor für Literatur an der Freien Universität Berlin, veröffentlichte im Jahr 2004 eine neue deutsche Übersetzung des Hafis-Divans. In seiner Übersetzung bemüht sich Wohlleben, die Dichtung in Prosa zu überführen, sodass eine sogenannte „nüchterne Übersetzung“ entsteht – eine Übersetzung, die nicht die äußere Form der Ghazale priorisiert, sondern die Gedankenwelt und den geistigen Gehalt Hafis' für das deutsche Publikum verständlich machen soll. Dieser Beitrag untersucht die genannte Behauptung kritisch, insbesondere im Licht der Ideen westlicher Denker wie Johann Wolfgang von Goethe sowie unter besonderer Berücksichtigung der rhetorischen Theorien von ʿAbd al-Qāhir al-Ğurğānī.
