Literatur als Medium interkultureller Verständigung
Volumen 36, Ausgabe 1, Juli 2023, Seiten 65-80
https://doi.org/10.22034/spektrum.2023.184199
Seyed Mohammadreza Hosseini Beheshti
Abstrakt Leben in unserer globalen Welt, mit ihrem täglich zunehmenden Aufeinandertreffen oder der gegenseitigen Durchdringung verschiedener Kulturen, erfordert eine ständige interkulturelle Auseinandersetzung mit dem Anderen, dem Fremden und dem Nicht-Vertrauten. Dies ist der Versuch, den Anderen in seinem Sein und So-Sein zu verstehen und anzuerkennen. Ziel dieses Versuchs ist es, eine Möglichkeit der Horizonterweiterung und des gemeinsamen Denkens zu schaffen, anstatt lediglich Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu entdecken. Literatur ist dabei, als allgemeines Substrat, das die Grenzen aller Disziplinen überschreitet, das wichtigste Medium dieser Begegnung.
Unter allen literarischen Gattungen nimmt die Dichtung als „hervorragender“ Text die bedeutendste Rolle ein, da sie uns zu den tiefen Wurzeln der Gedanken, Gefühle, Ansichten und Überzeugungen von Kulturen führt. Dieser Versuch eines gegenseitigen Verstehens ist jedoch mit Schwierigkeiten, Hindernissen, Unverständlichkeiten und Missverständnissen verbunden. Diese Störungen treten besonders bei der Übersetzung und Interpretation von Poesie, insbesondere von Lyrik, in fremde Sprachen auf, was diese fast unübersetzbar macht. Diese Barrieren werden deutlich bei den Bemühungen deutscher Autoren, die Ghazale des großen iranischen Dichters Hafis zu übertragen.
Dieser Aufsatz versucht, exemplarisch die verschiedenen Facetten dieser Schwierigkeiten anhand einiger deutscher Übersetzungen des Ghazals 152 aus seinem Divan kurz aufzuzeigen.
Das Autobiografische im Werk von Franz Kafka
Volumen 32, Ausgabe 1, Marsch 2019, Seiten 95-108
https://doi.org/10.22034/spektrum.2019.223886
Saeid Rezvani
Abstrakt Die Werke Franz Kafkas können als Inbegriff der Interpretierbarkeit in der modernen Literatur gelten. Die Aufgabe der Suche nach der einzig richtigen Deutung seiner Erzählungen eröffnet den Zugang zu tieferliegenden Bedeutungsschichten. Der Versuch, Kafkas Texte zu verstehen, bringt mögliche Interpretationen hervor und legt Elemente offen, auf denen seine Erzählungen beruhen. Ein Teil von Kafkas literarischem Schaffen besteht zweifellos in der Verarbeitung konkreter Ereignisse und Umstände seines Lebens. Daher versucht dieser Beitrag, das autobiografische Element in seinen Texten zu untersuchen. Zwar lässt sich die Bedeutung seiner Werke nicht allein aus der Biografie des Autors erschließen, doch trägt diese zur teilweisen Erhellung und Entwicklung möglicher Deutungen bei. So eröffnet beispielsweise die Lektüre von Kafkas Roman Das Schloss im Zusammenhang mit seinen autobiografischen Quellen (Briefe und Tagebücher) eine neue Interpretation des fragmentarischen Textes.
