Spektrum Iran

Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen und die islamische Mystik

Art des Dokuments : Original Research Papers

Autor

Ludwig-Maximilian-Universität München, Deutschland

Abstrakt
Der Heilige Römische Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen (1194–1250), eine der bedeutendsten Herrscherpersönlichkeiten des Mittelalters, berief Gelehrte aus Europa und der islamischen Welt an seinen sizilianischen Hof, um die Wissenschaft zu fördern. Nach einem kurzen Überblick über das Leben des Kaisers befasst sich der Artikel hauptsächlich mit seiner geistigen Verbindung zur islamischen Welt. Diese Verbindung kulminiert in einer Reihe von Fragen, die der Kaiser auf Arabisch – einer Sprache, die er hervorragend beherrschte – an muslimische Gelehrte richtete. Diese Fragen wurden ausführlich von dem andalusischen Gelehrten und Mystiker ʿAbd al-Ḥaqq ibn Sabʿīn (1216/1217–1270) beantwortet. Seine Antworten, die sogenannten „Sizilianischen Fragen“ (al-masāʾil al-ṣiqilliyya), werden im Beitrag eingehend analysiert. Die wichtigsten Fragen betreffen:
1.die Ewigkeit der Welt,
2.die göttliche Wissenschaft – mystisches Wissen,
3.die aristotelischen Kategorien,
4.die Unsterblichkeit der Seele,
5.die Interpretation des Hadiths: „Das Herz der Gläubigen liegt zwischen zwei Fingern des Barmherzigen.“ Diese Fragen selbst stellen ein einzigartiges Zeugnis für die intellektuellen Beziehungen zwischen dem mittelalterlichen christlichen Europa und der islamischen Welt dar. Nāṣir ad-Dīn al-Furāt schrieb etwa ein Jahrhundert nach dem Tod Friedrichs II. von Hohenstaufen: „Man sagt, der Kaiser sei insgeheim Muslim gewesen, aber Gott weiß es besser um seinen Zustand und seinen Glauben.“

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