Spektrum Iran

Iranischer Philosoph aus der Sicht eines deutschen Gnostikers

Art des Dokuments : Original Research Papers

Autor

Universität Shiraz, Iran

Abstrakt
Ibn Sīnā war einer der einflussreichsten Denker des Mittelalters in der Geschichte der islamischen Philosophie. Seine große Leistung bestand darin, das „Seiende“ bzw. das „Sein“ zum Gegenstand der Philosophie zu machen und damit ein solides, geometrisch aufgebautes philosophisches System zu begründen. In der islamischen Welt wurde er nicht nur von den maschschāʼī (peripatetischen) Philosophen als „Šeich ar-Raʼīs“ bezeichnet und nachgeahmt, sondern auch in der Theologie wurde er von Ḫāǧe Naṣīr ad-Dīn Ṭūsī rezipiert. Ḫāǧe etablierte die Kalām-Wissenschaft (islamische scholastische Theologie) unter Verwendung von Argumenten zum Sein und Seienden, sodass spätere Theologen seinem Beispiel folgten. Auch die Schüler der Schule Ibn ʻArabīs nahmen Ibn Sīnās Methode zur Begründung einer theoretischen Mystik auf – etwas, das es im Bereich der Mystik zuvor noch nicht gegeben hatte. Dieser Artikel zeigt zudem, dass Ibn Sīnās Einfluss auch in der christlichen Welt sichtbar wurde. Nach der Übersetzung seiner Werke ins Lateinische wandten sich bedeutende Philosophen und Theologen wie Albertus Magnus und Thomas von Aquin seinen Gedanken zu. Der Fokus der vorliegenden Untersuchung liegt auf dem Einfluss Ibn Sīnās auf Meister Eckhart. Im Gegensatz zu früheren Philosophen und sogar manchen muslimischen Gelehrten bietet Eckhart eine mystische Lesart von Ibn Sīnā. Viele seiner Auffassungen über das Sein in der Mystik leitet er unter direkter Bezugnahme auf Ibn Sīnās Werke ab.

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