Spektrum Iran

Religion, Umweltverhalten und kultureller Kontext: Eine vergleichende Studie von Muslimen im Iran und Christen in Deutschland

Art des Dokuments : Original Research Papers

Autor

Faculty of Social Sciences , University of Tehran

10.22034/spektrum.2026.590790.1074
Abstrakt
Angesichts der zunehmenden globalen Umweltkrisen richtet sich die wissenschaftliche Aufmerksamkeit verstärkt auf die Rolle von Religion bei der Herausbildung umweltfreundlichen Verhaltens. Diese Studie untersucht vergleichend den Einfluss islamischer und christlicher Lehren auf das Umweltverhalten von Muslimen im Iran (N = 442) und Christen in Deutschland (N = 58). Grundlage der Untersuchung ist ein eigens entwickelter Fragebogen, dessen Daten mithilfe nichtparametrischer statistischer Verfahren analysiert wurden, einschließlich direkter länderübergreifender Vergleiche zentraler Zusammenhänge.

Bei iranischen Muslimen zeigten sich positive Zusammenhänge zwischen Religiosität und religiöser Sozialisation einerseits sowie umweltbezogenem Verhalten und einem Verantwortungsgefühl gegenüber der Umwelt andererseits. Dies verweist auf das ethische Potenzial islamischer Konzepte wie khilafah (Treuhänderschaft bzw. Bewahrung der Schöpfung), der Heiligkeit der Schöpfung und der moralischen Verantwortung des Menschen gegenüber der Natur. Gleichzeitig zeigte Religiosität einen negativen Zusammenhang mit allgemeinem Umweltbewusstsein und keinen signifikanten Zusammenhang mit ressourcenschonendem Konsumverhalten oder der Wahrnehmung der schädlichen Folgen von Konsumismus. Zudem wurden religiöse Institutionen und religiöse Führungspersonen in Iran von den Befragten als nur begrenzt wirksam bei der Förderung ökologischen Engagements wahrgenommen.

Bei den christlichen Befragten in Deutschland zeigte institutionelle Religiosität keinen signifikanten Zusammenhang mit Umweltverhalten, Umweltbewusstsein oder Umweltverantwortung. Umweltfreundliches Verhalten wird hier vor allem durch säkulare Normen, Umweltbildung und eine etablierte Bürgerkultur geprägt. Direkte länderübergreifende Vergleiche zeigen, dass der Zusammenhang zwischen Religiosität und sowohl Umweltverhalten als auch religiösem Umweltbewusstsein im Iran deutlich stärker ausgeprägt ist als in Deutschland, während der Zusammenhang zwischen Umweltverhalten und religiöser Sozialisation in beiden Ländern vergleichbar stark bleibt.

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass der Beitrag von Religion zum Umweltverhalten kontextabhängig ist. Religion besitzt insbesondere dort größere Bedeutung, wo religiöse und soziale Identität eng miteinander verbunden sind. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass das ökologische Potenzial religiöser Traditionen und Institutionen in beiden gesellschaftlichen Kontexten bislang nur teilweise ausgeschöpft wird.

Schlüsselwörter

Hauptthemen


Artikel in der Presse, Akzeptiertes Manuskript
Online verfügbar unter 03 August 2026