Spektrum Iran

Der König und seine Astrologen: Ein Vergleich des Shāhnāma und des Zhou Li (周礼)

Art des Dokuments : Original Research Papers

Autor

Gastwissenschaftler am Orientalischen Seminar der Universität Zürich, Schweiz

Abstrakt
Es ist bekannt, dass Astrologie und Astrologen im Shāhnāma von Firdausī eine wichtige Rolle spielen. Auch wenn einige technische Elemente westlichen Ursprungs – wie z. B. das Astrolabium – erwähnt werden, unterscheidet sich der soziale Kontext, in dem die Astrologen auftreten, deutlich von westlichen Modellen. Während Astrologen in westlichen Erzähltraditionen meist als Einzelpersonen erscheinen, treten sie im Shāhnāma fast ausschließlich in Gruppen auf.
Diese Gruppen von Experten, die vom König zur Weissagung herbeigerufen werden, sind häufig differenziert: Die Astronomen/Astrologen (akhtar-shināsān) erscheinen zusammen mit den Priestern (mūbadān) und den Weisen (bikhardān). Ihre Prophezeiungen betreffen zumeist das Schicksal des Königs und seines Reiches.
Diese Merkmale teilt sich die Rolle der Astronomen und Astrologen mit jener am chinesischen Hof. Das zwischen 200 v. Chr. und 200 n. Chr. entstandene Zhou Li (周礼) – ein konfuzianischer Klassiker – beschreibt ausführlich das sogenannte „Astronomische Amt“, eine Einrichtung am Kaiserhof, in der mehrere spezialisierte Gruppen dem Kaiser Vorhersagen lieferten. Es ist sehr wahrscheinlich, dass dieses System nach westlichem Vorbild geformt wurde, möglicherweise aus dem Alten Iran. Seine Wurzeln könnten im assyrischen und neubabylonischen Reich liegen, wo zahlreiche Astrologen in verschiedenen Städten ihre Berichte an den König in der Reichshauptstadt sendeten. Ein solches System der Zusammenarbeit war in der griechisch-römischen Welt ohne Beispiel.

Schlüsselwörter

Hauptthemen