Das iranische und islamische Heldenbild im Wandel der Zeit
Seiten 1-20
https://doi.org/10.22034/spektrum.2021.184471
Sonja Anwar
Abstrakt Im Folgenden wird die Bedeutung der Begriffe „Held“ und „Heldentum“ in einer modernen islamischen Gesellschaft erläutert. Heute ist auch Iran, wie nahezu alle Länder weltweit, eine Mediengesellschaft. Soziale Medien, Telegram (das Pendant zu WhatsApp), Onlinevideos usw. sind besonders bei jungen Menschen äußerst beliebt. Der Hinweis auf die „islamische Gesellschaft Irans“ macht jedoch bereits deutlich, dass sich „islamische Gesellschaft“ je nach nationalen oder kulturellen Gegebenheiten stark unterscheiden kann. In Iran dominiert der schiitische Charakter des Islams, während zum Beispiel in der Türkei der sunnitische Islam eine stärkere Rolle spielt. Dies beeinflusst auch die Definition und Rezeption des „Heldenbildes“. Was also ist unter einem islamischen Helden zu verstehen, der in Iran als solcher bezeichnet wird?
Probleme bei der Klassifikation von Sprachen anhand sprachlicher Universalien – am Beispiel des Persischen
Seiten 21-38
https://doi.org/10.22034/spektrum.2021.184472
Kaveh Bahrami Sobhani
Abstrakt Eine kritische Betrachtung der Klassifikation von Sprachen anhand sprachlicher Universalien ist notwendig, da man bei der Analyse von Sprachen immer wieder mit der Annahme konfrontiert wird, dass beispielsweise Sprachen mit der Wortstellung SOV-Postpositionen aufweisen oder nur die Bildung von pränominalen Relativsätzen erlauben. In diesem Artikel wird vorgeschlagen, dass das Persische ein Gegenbeispiel zu solchen Verallgemeinerungen darstellt. Am Beispiel des Persischen wird zudem untersucht, ob sich diese Methode der Sprachklassifikation durch einen historischen Überblick bestätigen lässt. Darüber hinaus wird geprüft, ob sich die Satzstrukturen des Alt- und Mittelpersischen offensichtlich vom modernen Persisch unterscheiden. Im Verlauf des Artikels werden mehrere Fälle vorgestellt, die den Annahmen sprachlicher Universalien widersprechen, wobei einige dieser widersprüchlichen Befunde durch eine diachrone Analyse erklärbar sind.
Rustam, Raḫaš, Yazd und Sīmurġ – Die Legende von Rustam und Sohrāb in der Version der Mandäer: Ein Paradigma der Akkulturation
Seiten 39-84
https://doi.org/10.22034/spektrum.2021.184474
Gabriele Dold-Ghadar
Abstrakt Die Provinz Khuzestan mit ihrer Hauptstadt Ahvaz und Irans größtem und einzig schiffbarem Wasserweg, dem Karun, der in den Persischen Golf mündet, verfügt über ein herausragendes historisches und kulturelles Erbe und ist für ihre ethnische Vielfalt bekannt. Dies gilt nicht zuletzt für die monotheistischen gnostischen Mandäer (mandāyi – auch Ṣābeʾin, sobbī oder Nasoräer genannt), die vermutlich in den ersten Jahrhunderten n. Chr. aus Palästina eingewandert sind und deren traditionelle Siedlungsgebiete sich beiderseits des irakisch-iranischen Grenzstreifens in den Flusssystemen von Euphrat, Tigris und Karun befinden. Die wissenschaftliche Forschung hat wesentlich zur Untersuchung der mandäischen Schrift und Sprache beigetragen, die starke parthische Einflüsse sowie eine Vielzahl iranischer Lehnwörter aufweist. In Bezug auf die religiöse und profane Literatur wurde insbesondere der iranische Anteil an zahlreichen mündlich überlieferten mandäischen Legenden hervorgehoben – darunter eine mandäische Version der Tragödie von „Rustam und seinem Sohn Sohrab“, die im Schāhnāme, dem „Buch der Könige“ – dem Nationalepos des Groß Iran – enthalten ist. Diese Legende basiert vermutlich auf einer parthischen Tradition und wurde von den Mandäern nicht nur übernommen, sondern auch inhaltlich verändert und mit einem glücklichen Ende versehen. Dies rückt den Fokus auf die uralten religiösen Überzeugungen und Praktiken der letzten Gnostiker des alten Mesopotamiens.
Zur Notwendigkeit einer neuen Übersetzung des Korans ins Deutsche, Teil II
Seiten 85-108
https://doi.org/10.22034/spektrum.2021.184475
Mahdi Esfahani, Michael Nestler
Abstrakt Der erste Teil dieses Artikels wurde bereits veröffentlicht. Er schlug eine spezifische Methode zur Übersetzung von Wörtern sowie einen allgemeinen Ansatz zur Textübersetzung vor. Der vorliegende Teil basiert auf sechs neuen Übersetzungen des Korans ins Deutsche und untersucht die Übersetzungen der Verse der Sure Hamad und der ersten 45 Verse der Sure Al-Baqara anhand des vorgeschlagenen Ansatzes. Insgesamt zeigen 37 Beispiele, dass auf der vorgeschlagenen Grundlage eine dem Text nähere Übersetzung mit genaueren Entsprechungen tatsächlich möglich ist.
Bedingungen für die Verwirklichung der in der Erklärung zur zweiten Phase der Revolution formulierten Prinzipien: Öffentliche und private Sphären
Seiten 109-116
https://doi.org/10.22034/spektrum.2021.184496
Zohreh Ghorbani-Madavani
Abstrakt In der Erklärung zur zweiten Phase der Revolution hat der Oberste Führer der Islamischen Revolution weise Leitlinien formuliert, wie wir unsere gesellschaftliche Stellung verbessern und zudem werden können, was wir sein sollten. Nachdem er die Gründe für die Islamische Revolution dargelegt hatte, verwies er auf deren grundlegende Werte wie Freiheit, Ethik, Gerechtigkeit, Unabhängigkeit, Würde, Rationalität und Spiritualität – Werte, die die Menschheit im Laufe der Geschichte stets angestrebt hat und weiterhin anstreben wird. In inspirierenden und hoffnungsvollen Sätzen wandte sich der Oberste Führer an die gläubige und engagierte Jugend als Motor der Revolution und betonte deren zentrale Rolle für die Fortführung und Erhebung der Revolution. Dieser Beitrag gibt zunächst einen kurzen Überblick über die Erklärung zur zweiten Phase der Revolution und unterbreitet anschließend Vorschläge zur Verwirklichung der in der Erklärung formulierten Ziele – unter besonderer Berücksichtigung ihrer öffentlichen und privaten Komponenten.
Friedrich Georg Jünger und die persische Dichtung
Seiten 117-131
https://doi.org/10.22034/spektrum.2021.184497
Felix Herkert
Abstrakt Dieser Aufsatz untersucht die Rezeption der persischen Dichtung durch den deutschen Philosophen und Dichter Friedrich Georg Jünger (1898–1977). Diese Rezeption ist sowohl für eine werkimmanente Interpretation von Jüngers Gedanken über Dichtung als auch als (bisher vernachlässigtes) Kapitel in der Geschichte der Rezeption persischer Dichtung im deutschsprachigen Raum von Bedeutung. Jüngers Auseinandersetzung mit der persischen Dichtung konzentriert sich auf drei Hauptdichter: Omar Chayyam, Saadi und Hafis, für die Jünger größte Bewunderung empfand. Nach einer historisch-biografischen Einordnung des Themas wird Jüngers Rezeption dieser Dichter inhaltlich skizziert; nicht zuletzt wird ihr Einfluss auf Jüngers eigenes dichterisches Werk untersucht. Es wird aufgezeigt, wie besonders Hafis Jünger inspirierte – sowohl in seinen theoretischen Überlegungen zum Wesen der Dichtung als auch in der Gestaltung einiger eigener Gedichtzyklen.
Der Ort als menschliche Errungenschaft auf der Grundlage von Martin Heideggers Vierfachheit und deren Widerspiegelung in der historischen
Seiten 133-144
https://doi.org/10.22034/spektrum.2021.184499
Reyhaneh Heydari
Abstrakt Die Bedeutung des Ortes im architektonischen Kontext ermöglicht es, über ein angemessenes und würdiges Leben für den Menschen nachzudenken – auf der Grundlage von Heideggers Vierfachheit und geformt durch Harmonie und Ausgewogenheit zwischen den Elementen des Universums. Dieser Artikel zielt darauf ab, Heideggers stabilisierendes Vierfach (Erde, Himmel, Sterbliche und Göttliche) als verbindende und vermittelnde Elemente des Kosmos theoretisch zu beleuchten; und zugleich eine umfassende Erläuterung iranischer architektonischer Orte (Haus, Garten, Basar und Moschee) zu reflektieren. Ziel ist es, den gedanklichen Pfad nachzuzeichnen, der in solchen Orten entsteht – ein Pfad, der Denken ermöglicht, ihm Raum gibt, seine Aufgabe zu erkennen und auszuführen. Dieser Glaube kann in Zeiten der Not, die aus dem Vorrang des technischen Denkens hervorgegangen sind, einen Weg zur geistigen Sphäre eröffnen – einen Weg, der in einer Art wirksamen Lebens reift, das aus dem Zusammenspiel von Denken und Sein hervorgeht.
Iranische Selbstbilder aus schulbuchdidaktischer Perspektive;Ein Beitrag zum iranisch-deutschen Kulturdialog
Seiten 145-164
https://doi.org/10.22034/spektrum.2021.184507
Mehrdad Saeedi
Abstrakt Thema dieses Textes ist die kollektive Identitätsbildung am Beispiel Irans. Der Text beschäftigt sich mit der iranischen Selbstwahrnehmung als Voraussetzung für einen langfristigen kulturellen Dialog zwischen Iran und Deutschland oder einem anderen kulturellen Dialogpartner. Die dahinterstehende Idee ist, dass Dialogpartner sich zunächst selbst Fragen über ihre eigene kollektive Identität stellen und dadurch ein möglichst realistisches und nicht idealisiertes Gesamtbild von sich selbst zeichnen sollten, bevor sie mit einem Fremdbild konfrontiert werden, das möglicherweise befremdlich oder überfordernd wirkt. Der Text stützt sich auf das Kulturverständnis in der Hauptquelle der Untersuchung, nämlich einem iranischen Schulbuch der Oberstufe mit Schwerpunkt auf Geistes- und Sozialwissenschaften. Es handelt sich um das Lehrbuch „Kulturanalyse – Lehrbuch für Kulturstudien“, das erstmals im Jahr 2017 veröffentlicht wurde. Aus dessen Perspektive werden hier vier iranische Selbstbilder vorgestellt und näher analysiert. Die zentralen Fragen des Textes lauten: Wie hat sich die kollektive Identität der Iraner im Laufe der Geschichte gebildet? Und wie verhalten sich die iranischen Selbstbilder als Bestandteile eines Gesamtbildes zueinander?
Liebesgedichte des Imams
Seiten 165-172
https://doi.org/10.22034/spektrum.2021.184508
Peter Schütt
Abstrakt In diesem Memo geht Peter Schütt auf die Charakteristika der Liebesgedichte von Imam Khomeini ein und glaubt, dass der Inhalt seiner Gedichte zu diesem Thema von außergewöhnlicher Tiefe und teilweise recht fortschrittlich und unkonventionell sei. Er glaubt, dass Themen wie die Beziehung zwischen Männern und Frauen in den lyrischen Gedichten Ausdruck der Liebe Gottes zum Menschen sind. Die Leidenschaft der Liebenden füreinander konzentriert sich laut Peter Schütt auf Verbundenheit und Einheit, und das ist der Moment, in dem sie in die Arme Gottes gelegt werden. Als Beleg für seine Aussage führt Peter Schütt das Gedicht „Tag der Verbindung“ von Imam Khomeini an.
Peter Schütt stellt Imam Khomeini in die jahrtausendealte Tradition des Verfassens von Liebesgedichten, weshalb in seinen Gedichten eine Sammlung alter Symbole der persischen Poesie präsent ist: Nachtigall, Pfau, Homa, Kerze und Schmetterling.
Am Ende seiner Memoiren zitiert Schütt ein Gedicht, das er am 1. Februar 1976 verfasst hatte, als Imam Khomeini nach seinem französischen Exil nach Teheran zurückkehrte. Der Titel dieses Gedichts lautete „Die neue Art von Revolutionär“ und beschrieb Imam Khomeini mit unkonventionellen Eigenschaften, d. h. unterschiedlichen Eigenschaften von Revolutionären.
Der König und seine Astrologen: Ein Vergleich des Shāhnāma und des Zhou Li (周礼)
Seiten 173-182
https://doi.org/10.22034/spektrum.2021.184510
Johannes Thomann
Abstrakt Es ist bekannt, dass Astrologie und Astrologen im Shāhnāma von Firdausī eine wichtige Rolle spielen. Auch wenn einige technische Elemente westlichen Ursprungs – wie z. B. das Astrolabium – erwähnt werden, unterscheidet sich der soziale Kontext, in dem die Astrologen auftreten, deutlich von westlichen Modellen. Während Astrologen in westlichen Erzähltraditionen meist als Einzelpersonen erscheinen, treten sie im Shāhnāma fast ausschließlich in Gruppen auf.
Diese Gruppen von Experten, die vom König zur Weissagung herbeigerufen werden, sind häufig differenziert: Die Astronomen/Astrologen (akhtar-shināsān) erscheinen zusammen mit den Priestern (mūbadān) und den Weisen (bikhardān). Ihre Prophezeiungen betreffen zumeist das Schicksal des Königs und seines Reiches.
Diese Merkmale teilt sich die Rolle der Astronomen und Astrologen mit jener am chinesischen Hof. Das zwischen 200 v. Chr. und 200 n. Chr. entstandene Zhou Li (周礼) – ein konfuzianischer Klassiker – beschreibt ausführlich das sogenannte „Astronomische Amt“, eine Einrichtung am Kaiserhof, in der mehrere spezialisierte Gruppen dem Kaiser Vorhersagen lieferten. Es ist sehr wahrscheinlich, dass dieses System nach westlichem Vorbild geformt wurde, möglicherweise aus dem Alten Iran. Seine Wurzeln könnten im assyrischen und neubabylonischen Reich liegen, wo zahlreiche Astrologen in verschiedenen Städten ihre Berichte an den König in der Reichshauptstadt sendeten. Ein solches System der Zusammenarbeit war in der griechisch-römischen Welt ohne Beispiel.
Iranische Themen der Migrantenliteratur in Deutschland
Seiten 183-210
https://doi.org/10.22034/spektrum.2021.184511
Melika Torkman Butorabi
Abstrakt Dieser Artikel knüpft an die Beiträge „Verstehen und verstanden werden“ an, die in den Ausgaben 3 und 4 der Zeitschrift Spectrum Iran im Jahr 2020 veröffentlicht wurden. Jene Artikel behandelten iranische Schriftsteller in Deutschland. Der vorliegende Artikel ist jedoch eine Antwort auf die Nachfrage und das Interesse derer, die mehr über die spezifischen Themen erfahren möchten, die iranische Autoren in Deutschland beschäftigen, sowie über die Motive, die ihr literarisches Schaffen prägen.
Überprüfung und Identifizierung der Medienstrategie von Arbaeen
Seiten 215-245
https://doi.org/10.22034/spektrum.2021.184513
Hamid Mohammadi, Akbar Nasrollahi, Mohammad Reza Jalilvand, Seyed Mohammad Hosseini
Abstrakt Arbaeen als große religiöse Bewegung ist ein Super-Medienereignis, ein transnationales Phänomen und ein einzigartiges Kommunikationsmodell. Daher muss die Medienberichterstattung hochgradig prinzipientreu, korrekt und zielgerichtet sein.
In diesem Artikel mit dem Titel Bestimmung der Medienstrategien für die Arbaeen-Berichterstattung wurde qualitative Forschung mittels der Grounded-Theory-Methodik auf eine statistische Gruppe von Medienexperten und Fachleuten angewandt. Insgesamt wurden 15 Interviews nach der Schneeballmethode bis zur theoretischen Sättigung durchgeführt. Nach der Kategorisierung der Aussagen und ihrer offenen sowie zentralen Kodierung zeigen die Ergebnisse, dass die Medienstrategie in vier Kategorien eingeteilt werden kann: Zielsetzung, Nachrichtenauswahl, Medien und Zielgruppenbestimmung.
Zu den Hauptzielen im Bereich der Zielsetzung gehören Arbaeen-Realismus, Vermeidung von Übertreibung, Einbeziehung politischer Interessen, Verfolgung sozialer und wirtschaftlicher Interessen, Bewusstseinsstrategie und Überzeugungsstrategie. Bei der Botschaftsgestaltung sind die Attraktivität der Nachricht, Kreativität, Innovation, Spezialeffekte, Vermeidung von Wiederholungen und doppelten Inhalten sowie der Einsatz von Anreizen (logisch und moralisch) die zentralen Inhaltskomponenten. Die Zielgruppen sind Schiiten und Muslime weltweit, alle Religionen und Nutzer, während die wichtigsten Medien Umweltmedien, inländischer Rundfunk und Fernsehen, soziale Netzwerke und ausländische Medien sind
