Zum Leitbild der Prophetie bei Avicenna1

Art des Dokuments : Originaler Artikel

Autor

PhD in philosophy and independent researcher in Paris

Abstrakt

In einigen seiner Schriften beschäftigt sich Avicenna mit der Frage der Prophezeiung und weist darauf hin, dass es sich dabei um die höchste menschlich-göttliche Ebene handelt. In diesen Schriften wird die Prophezeiung als Teil des Systems der praktischen Philosophie Avicennas und als Ausdruck der Notwendigkeit der eigenen Güte und des eigenen Glücks betrachtet, insbesondere da der Prophet derjenige ist, der den Menschen zur Erlösung führt. In Avicennas Augen ist Prophezeiung zugleich als Kontinuität des Schöpfungsprozesses und als höchste Vernunftstufe anzusehen. Es hat eine göttliche Natur, verkörpert heilige Vernunft und stellt eine Person dar, die allein das Vorbild darstellt, auf das sich die Menschen verlassen. Avicennas Analyse der Prophezeiung ist auch mit einer politischen Perspektive verbunden. Daher kann davon ausgegangen werden, dass ein solches Modell mit seinem jüdisch-griechischen Gegenstück in Einklang steht und dadurch zum Symbol einer idealen Person in der iranischen Vorstellung wird. Der gemeinsame Punkt der avicennischen Analytik in allen aufgezeigten Aspekten ist die Inkonsistenz seines Ansatzes in dem Sinne, dass er von einer philosophischen Analysemethode zu einer eschatologischen Hermeneutik übergeht und seine prophetische Leitfigur plötzlich nicht mehr dem lokalen Leben, sondern vor allem einem dient moralisches Modell für das Jenseits. In diesem Artikel werden wir zunächst versuchen, verschiedene Aspekte von Avicennas verschiedenen Wahrnehmungen in Bezug auf Prophezeiungen zu untersuchen, um dann die Widersprüche aufzuzeigen, die zwischen jeder dieser Wahrnehmungen bestehen.


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