Spektrum Iran

Iğtihād und Reform im Zwölferschiismus

Art des Dokuments : Original Research Papers

Autor

Sharjah Chair in Global Islam, McMaster University, Canada

Abstrakt
Neue Herausforderungen und Gegebenheiten haben muslimische Rechtsgelehrte dazu veranlasst, sich vertieften Forschungen und Iǧtihād zu widmen, um ihren Anhängern zeitgemäße und relevante Leitlinien bieten zu können. Dieser Beitrag untersucht zunächst die Argumente zeitgenössischer muslimischer Denker, die eine Neubewertung des traditionellen Iǧtihād sowie die Entwicklung neuer Strategien für eine moderne Form des Iǧtihād fordern. Diese Gelehrten plädieren zudem für eine Überprüfung der erkenntnistheoretischen Grundlagen und hermeneutischen Methoden der islamischen Rechtslehre (Uṣūl al-Fiqh). Befürworter einer Erneuerung des Iǧtihād betonen, dass die Interpretationen der islamischen Offenbarung stets mit den spezifischen Gegebenheiten ihrer Zeit und ihres Ortes verwoben waren. Juristen können daher nur allgemeine Prinzipien formulieren, nicht aber zeit- und ortsunabhängige Rechtsentscheidungen treffen. Für sie liegt die eigentliche Bewährungsprobe eines Rechtssystems in seiner praktischen Anwendung innerhalb der Gläubigengemeinschaft. Die Anwendbarkeit des islamischen Rechts in der Moderne muss vor dem Hintergrund seiner Relevanz im Kontext heutiger Nationalstaaten überprüft werden, die die Gleichheit aller Bürger unabhängig von religiöser oder ethnischer Zugehörigkeit betonen. Viele Gelehrte argumentieren zudem, dass die hermeneutischen Prinzipien des Iǧtihād Raum für eine dynamischere und lebendigere Auslegung der islamischen Botschaft bieten.

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