Spektrum Iran

Der eine Gott und die vielen Götter- Das Paradoxon des Monotheismus

Art des Dokuments : Original Research Papers

Autor

Theologe und Professor für Islamwissenschaft an der École Pratique des Hautes Études in Paris

Abstrakt
Dieser Artikel untersucht grundlegend das Paradoxon des Monotheismus aus der Perspektive der islamischen Mystik. Unter Bezugnahme auf die Werke von Ibn Arabi und seinem bedeutenden Kommentator Haydar Amoli präsentiert Henry Corbin eine dreistufige Analyse der Entwicklung des monotheistischen Verständnisses. In der ersten Stufe verfällt der exoterische und konventionelle Monotheismus, der Gott als höchstes Wesen (Ens supremum) begreift, tatsächlich in die Falle der "metaphysischen Idolatrie". In der zweiten Stufe transzendiert der esoterische Monotheismus diese Begrenzung und entdeckt die "Einheit des Seins" (wahdat al-wujud), in dem Gott kein Wesen, sondern reines Sein und reine Tat selbst ist. Schließlich werden in der dritten Stufe durch die Etablierung einer "integralen Ontologie" Einheit und Vielheit in der göttlichen Sphäre versöhnt. Corbin vergleicht diesen gedanklichen Weg mit der neuplatonischen Philosophie des Proklos, die eine tiefe Harmonie zwischen dem einen Gott und den vielen göttlichen Manifestationen herstellt. Durch eine detaillierte Analyse der Diagramme von Haydar Amoli zeigt der Autor auf, wie diese Perspektive zu einem umfassenderen Verständnis des Verhältnisses zwischen ontologischer Einheit und scheinbarer Vielheit im Bereich der mystischen Theologie führen kann.

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