Ludwig-Maximilian-Universität München, Deutschland
Abstrakt
Der Artikel untersucht die tiefgreifenden Verbindungen zwischen Wolfram von Eschenbachs mittelalterlichem Epos Parzival und östlichen Traditionen, insbesondere der persischen und islamischen Mystik. Parzival ist ein Schlüsselwerk der abendländischen Literatur, das den Gral (als Stein, Kelch oder Becher) als Symbol geistiger Königsherrschaft und universalen Friedens einführt. Die Handlung folgt Parzivals Suche nach dem Gral, verknüpft mit Themen wie Rittertum, Erlösung und interreligiösem Dialog. Wolframs Werk zeigt Einflüsse aus altiranischen, gnostischen und islamischen Quellen, die mit christlicher Symbolik verschmelzen. Figuren wie Gahmuret (Parzivals Vater, ein christlicher Ritter im Dienst des Kalifen von Bagdad) und Feirefiz (sein halbheidnischer Bruder) verbinden Orient und Okzident. Der Gral symbolisiert göttliches Wissen, das nur durch spirituelle Erleuchtung erlangt werden kann – ein Motiv, das an sufische und zoroastrische Lehren erinnert. Der Artikel analysiert auch das Lied von der Perle, einen iranisch-gnostischen Text, der Parzivals Weg spiegelt. Letztlich transzendiert Wolframs Epos religiöse Grenzen und verweist auf eine universelle „Urüberlieferung“.