Art des Dokuments : Original Research Papers
Autoren
1
Doktorand, Fakultät für Literatur, Universität Velayat, Iran
2
Professor, Abteilung für Russistik, Fakultät für Weltstudien, Universität Teheran, Teheran, Iran
3
Außerplanmäßiger Professor, Abteilung für Iranische Studien, Fakultät für Weltstudien, Universität Teheran, Iran
10.22034/spektrum.2026.535645.1037
Abstrakt
Als das Pahlavi-Regime 1962 sein Bodenreformprogramm als Kernstück der Weißen Revolution startete, versprach die offizielle Erzählung eine tiefgreifende Transformation der iranischen Gesellschaft: gerechte Landverteilung, soziale Gerechtigkeit, höhere landwirtschaftliche Produktivität und bessere Lebensbedingungen für die ländliche Bevölkerung. Jahrzehnte später zeichnet die Realität ein anderes Bild. Dieser Artikel fragt, wie und warum die Reformen so weit von ihrem ursprünglichen Kurs abdrifteten und warum sie sich heute so resistent gegenüber Veränderungen zeigen. Mit der Pfadabhängigkeit als analytischem Rahmenwerk stützt sich die Studie auf Archivmaterialien, Regierungsberichte und wissenschaftliche Literatur, um die Mechanismen nachzuzeichnen, die die Agrarpolitik auf eine Bahn drängten, von der sie nur schwer abweichen konnte. Die Befunde zeigen, dass die Reformen trotz der entwicklungsorientierten Rhetorik nie vollständig wie beabsichtigt umgesetzt wurden. Von Anfang an prägten politische Kalküle den Prozess, und im Laufe der Zeit verstärkten steigende Öleinnahmen, fehlgeleitete Politiken und die wachsende Macht von Interessengruppen, die am Status quo hingen, den einmal eingeschlagenen Pfad. Die Revolution von 1979, der Krieg mit dem Irak und anhaltende Wirtschaftssanktionen vertieften die Blockade zusätzlich und machten jede grundlegende Agrarreform zunehmend teurer und politisch undurchführbar. Was als transformative politische Entscheidung begann – geprägt von den Geopolitik des Kalten Krieges ebenso wie von innenpolitischen Ambitionen – verhärtete sich allmählich zu einem institutionellen Korsett. Die Ergebnisse haben wenig Ähnlichkeit mit der ursprünglichen Entwicklungsperspektive. Indem der Artikel diesen Prozess beleuchtet, trägt er zum Verständnis der politischen Ökonomie von Reformen in rohstoffabhängigen Staaten bei und bietet einen Rahmen, der auf die Analyse anderer institutioneller Entwicklungen im modernen Iran übertragen werden kann.
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