Spektrum Iran

Intensive kulturelle Assimilation in der iranischen Diaspora: Eine soziologische Erklärung

Art des Dokuments : Original Research Papers

Autor

Political sciences, Political Thought, Revolution, and Islamic Civilisation, Institute for Humanities and Cultural Studies, Tehran, Iran

10.22034/spektrum.2026.590499.1071
Abstrakt
Migration bedeutet weit mehr als eine bloße geografische Verlagerung. Sie ist ein vielschichtiger sozialer Prozess, in dem Identitäten neu ausgehandelt und soziale Beziehungen neu gestaltet werden. Der vorliegende theoretische Beitrag untersucht die Tendenz zu einer intensiven kulturellen Assimilation in Teilen der iranischen Diaspora aus soziologischer Perspektive. Ziel ist es, reduktionistische und normative Deutungen zu überwinden und stattdessen ein mehrstufiges Erklärungsmodell für dieses Phänomen zu entwickeln. Die Studie ist als theoretischer Beitrag (Conceptual Paper) angelegt und basiert auf einer systematischen Literaturauswertung sowie einer konzeptionellen Analyse. Hierzu wurden klassische und aktuelle Arbeiten aus der Migrationssoziologie, den Diasporastudien, den Theorien kultureller Anpassung, der Statustheorie, der Theorie des symbolischen Kapitals sowie der Medienforschung kritisch ausgewertet. Die zentralen Konzepte wurden identifiziert und auf drei analytischen Ebenen strukturiert: migrationsvorgelagerte Kontextfaktoren, vermittelnde Mechanismen nach der Migration sowie status- und identitätsbezogene Folgen. Die Ergebnisse zeigen, dass intensive kulturelle Assimilation weder ausschließlich als Verlust kultureller Identität noch als Ausdruck individueller Präferenzen verstanden werden kann. Vielmehr entsteht sie aus dem Zusammenspiel historischer, kultureller, medialer und statusbezogener Faktoren. Kulturelle Prägungen vor der Migration, transnationale Mediendarstellungen, strukturelle Brüche, Statusdruck in der Aufnahmegesellschaft sowie das Bestreben, symbolisches Kapital in transnationalen sozialen Feldern anzusammeln, greifen in einer kausal-interaktiven Dynamik ineinander. Intensive kulturelle Assimilation stellt somit eine von mehreren möglichen Strategien kultureller Anpassung innerhalb der iranischen Diaspora dar. Die Analyse macht deutlich, dass intensive kulturelle Assimilation weder Ausdruck vollständiger Passivität noch mangelnder Handlungsfähigkeit ist. Vielmehr handelt es sich um eine positionsbezogen rationale Strategie, die darauf abzielt, positive soziale Distinktion zu erreichen und symbolisches Kapital in transnationalen sozialen Feldern zu akkumulieren. Gleichzeitig lassen sich innerhalb der iranischen Diaspora auch hybride, mehrschichtige und transnationale Identitätsformen beobachten. Ein angemessenes Verständnis dieses Phänomens setzt daher voraus, soziale Strukturen, individuelle Erfahrungen und die statusbezogenen Kalkulationen sozialer Akteure gleichermaßen zu berücksichtigen.

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Artikel in der Presse, Akzeptiertes Manuskript
Online verfügbar unter 03 August 2026