Spektrum Iran

Menschenwürde und Humanitäres Völkerrecht im Islam

Art des Dokuments : Original Research Papers

Autoren

1 Department of West Asia studies, Faculty of World Studies, University of Tehran

2 Institute for Social and Cultural Studies

10.22034/spektrum.2026.590465.1070
Abstrakt
Die Menschenwürde stellt eines der grundlegenden Prinzipien des islamischen Denkens dar und bietet einen normativen Bezugsrahmen für das Verständnis humanitärer Prinzipien in bewaffneten Konflikten. Obwohl das humanitäre Völkerrecht in der wissenschaftlichen Forschung umfassend behandelt wurde, ist der Zusammenhang zwischen Menschenwürde und humanitären Normen innerhalb der islamischen Geistestradition bislang nicht systematisch untersucht worden. Diese Studie analysiert die konzeptionellen Grundlagen der Menschenwürde, identifiziert die wesentlichen humanitären Normen in den islamischen Quellen und untersucht die Beziehung zwischen diesen beiden Konzepten. Mithilfe einer qualitativen Inhaltsanalyse und einer historischen Analyse stützt sich die Untersuchung auf den Koran, die prophetische Sunna, die Nahj al-Balāgha sowie auf authentische historische Quellen, um sowohl die normativen als auch die historischen Dimensionen humanitären Handelns im Islam zu erforschen. Die Konzepte und analytischen Kategorien wurden induktiv aus den Texten entwickelt und anschließend zur Erklärung übergeordneter konzeptioneller Zusammenhänge herangezogen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Menschenwürde im Islam als eine jedem Menschen innewohnende und universelle Eigenschaft verstanden wird, unabhängig von Religion, ethnischer Zugehörigkeit oder politischer Orientierung. Dieses Verständnis bildet die normative Grundlage der humanitären Prinzipien, die das Verhalten in bewaffneten Konflikten regeln. Dementsprechend erweisen sich die Priorisierung friedlicher Konfliktbeilegung, der Verzicht auf die Einleitung von Feindseligkeiten, der Schutz der Zivilbevölkerung, der respektvolle Umgang mit Verwundeten, Kriegsgefangenen und hors de combat befindlichen Personen, das Verbot von Verrat und Verstümmelung sowie die Aufrechterhaltung von Verhandlungen während der Feindseligkeiten nicht lediglich als ethische Empfehlungen, sondern als praktische Ausdrucksformen des Prinzips der Menschenwürde. Darüber hinaus wird dargelegt, dass diese Grundsätze gleichermaßen auf innerstaatliche wie auf internationale bewaffnete Konflikte Anwendung finden und nicht auf die Beziehungen zwischen Muslimen beschränkt sind. Die Studie gelangt zu dem Ergebnis, dass die Menschenwürde das philosophische und normative Fundament des humanitären Völkerrechts im Islam bildet und eine wertvolle Grundlage für einen konstruktiven Dialog zwischen der islamischen Rechtstradition und dem modernen humanitären Völkerrecht bietet

Schlüsselwörter



Artikel in der Presse, Akzeptiertes Manuskript
Online verfügbar unter 03 August 2026