Spektrum Iran

Zum Sprachgendern Mit einem Seitenblick auf die persische Sprache

Art des Dokuments : Original Research Papers

Autor

Linguist mit Schwerpunkt auf den persischen Sprachraum (Iran, Afghanistan und Tadschikistan), Studium der Germanistik und Iranistik an der Uni Potsdam und FU Berlin und Promotion in Zentralasien-Studien an der Humboldt Berlin, Deutschland

Abstrakt
Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem sprachlichen Gendern, einem Thema, das in Deutschland häufig und emotional diskutiert wird. In diesem Zusammenhang wird es auf die persische Sprache angewandt, um die Situation im Iran zu beleuchten. Die zentrale Frage lautet: Wie geschlechtergerecht ist das Persische im Iran, d. h. wie kompatibel bzw. aussagekräftig ist die Sprache in Bezug auf Genderfragen auf sprachlicher, kultureller und politischer Ebene? Der eigentliche Anlass zur Auseinandersetzung mit diesem kontroversen, aber auch aktuellen Thema liegt in den unterschiedlichen anthropologischen Selbstbildern, die durch jeweilige Kultur-, Bildungs- und Geschlechterpolitiken in Iran als religiöser Demokratie einerseits und Deutschland als säkularer Demokratie andererseits (re)produziert werden. Es scheint, dass das sprachliche Gendern ein Feld ist, auf dem linksliberale demokratische Kreise – unter Ausblendung kritischer Stimmen aus sogenannten konservativen Schichten der Gesellschaft – versuchen, einen neuen Menschentypus zu schaffen, der jenseits der Kategorie Geschlechtsidentität definiert wird; ein Modell, das dem der Islamischen Republik Iran, welches stets als rückschrittlich und überholt gilt, diametral entgegengesetzt ist. Der Autor vertritt eine kritische Perspektive auf das sprachliche Gendern, da es an sprachliche Ideologie grenzt. Dabei wird nicht behauptet, dass es keine geschlechtsspezifische Diskriminierung gibt. Die eigentliche Frage sollte jedoch lauten: Wie relevant ist sprachliche Korrektur im Hinblick auf die reale geschlechtliche Ungleichheit?

Schlüsselwörter

Hauptthemen