Spektrum Iran
Schlüsselwörter = Hafiz

Literatur als Medium interkultureller Verständigung

Volumen 36, Ausgabe 1, Juli 2023, Seiten 65-80

https://doi.org/10.22034/spektrum.2023.184199

Seyed Mohammadreza Hosseini Beheshti

Abstrakt Leben in unserer globalen Welt, mit ihrem täglich zunehmenden Aufeinandertreffen oder der gegenseitigen Durchdringung verschiedener Kulturen, erfordert eine ständige interkulturelle Auseinandersetzung mit dem Anderen, dem Fremden und dem Nicht-Vertrauten. Dies ist der Versuch, den Anderen in seinem Sein und So-Sein zu verstehen und anzuerkennen. Ziel dieses Versuchs ist es, eine Möglichkeit der Horizonterweiterung und des gemeinsamen Denkens zu schaffen, anstatt lediglich Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu entdecken. Literatur ist dabei, als allgemeines Substrat, das die Grenzen aller Disziplinen überschreitet, das wichtigste Medium dieser Begegnung.
Unter allen literarischen Gattungen nimmt die Dichtung als „hervorragender“ Text die bedeutendste Rolle ein, da sie uns zu den tiefen Wurzeln der Gedanken, Gefühle, Ansichten und Überzeugungen von Kulturen führt. Dieser Versuch eines gegenseitigen Verstehens ist jedoch mit Schwierigkeiten, Hindernissen, Unverständlichkeiten und Missverständnissen verbunden. Diese Störungen treten besonders bei der Übersetzung und Interpretation von Poesie, insbesondere von Lyrik, in fremde Sprachen auf, was diese fast unübersetzbar macht. Diese Barrieren werden deutlich bei den Bemühungen deutscher Autoren, die Ghazale des großen iranischen Dichters Hafis zu übertragen.
Dieser Aufsatz versucht, exemplarisch die verschiedenen Facetten dieser Schwierigkeiten anhand einiger deutscher Übersetzungen des Ghazals 152 aus seinem Divan kurz aufzuzeigen.

Friedrich Georg Jünger und die persische Dichtung

Volumen 34, Ausgabe 2, Dezember 2021, Seiten 117-131

https://doi.org/10.22034/spektrum.2021.184497

Felix Herkert

Abstrakt Dieser Aufsatz untersucht die Rezeption der persischen Dichtung durch den deutschen Philosophen und Dichter Friedrich Georg Jünger (1898–1977). Diese Rezeption ist sowohl für eine werkimmanente Interpretation von Jüngers Gedanken über Dichtung als auch als (bisher vernachlässigtes) Kapitel in der Geschichte der Rezeption persischer Dichtung im deutschsprachigen Raum von Bedeutung. Jüngers Auseinandersetzung mit der persischen Dichtung konzentriert sich auf drei Hauptdichter: Omar Chayyam, Saadi und Hafis, für die Jünger größte Bewunderung empfand. Nach einer historisch-biografischen Einordnung des Themas wird Jüngers Rezeption dieser Dichter inhaltlich skizziert; nicht zuletzt wird ihr Einfluss auf Jüngers eigenes dichterisches Werk untersucht. Es wird aufgezeigt, wie besonders Hafis Jünger inspirierte – sowohl in seinen theoretischen Überlegungen zum Wesen der Dichtung als auch in der Gestaltung einiger eigener Gedichtzyklen.

Richard Wagner und Hafiz; Hafiz und die Hafiz-Rezeption im Abendland

Volumen 34, Ausgabe 1, Juni 2021, Seiten 77-84

https://doi.org/10.22034/spektrum.2021.184661

Markus Fiedler

Abstrakt Das Interesse am persischen Dichter und Mystiker Ḥāfeẓ (1315–1390) nahm im Westen ab dem 18. Jahrhundert zu, insbesondere durch die Übersetzungen von Sir William Jones (1746–1794) in England. Die deutsche Übersetzung von Baron von Hammer-Purgstall inspirierte Goethe im 19. Jahrhundert zur Abfassung des West-östlichen Divans (veröffentlicht 1819). Die Dichtung von Ḥāfeẓ begeisterte Goethe so sehr, dass er ihn als „heiligen Ḥāfeẓ“ und „himmlischen Freund“ bezeichnete. Angeregt durch Goethes West-östlichen Divan verfassten mehrere deutsche Dichter – darunter Rückert und Graf Platen – Gedichte nach dem Vorbild der Ghazal-Form, die Ḥāfeẓ in der persischen Literatur zur Vollendung gebracht hatte. Auch Friedrich Nietzsche, Wagners Freund und späterer Gegner, zählt zu den deutschen Denkern, die von Ḥāfeẓ beeinflusst und fasziniert waren. Nach der Untersuchung dieser historischen Belege zeigt der Beitrag, inwiefern Richard Wagner von Form und Inhalt der Dichtung Ḥāfeẓs profitiert hat.

Die gebannten Wunderbilder, kreisend in seinem Zirkel... Die Übertragung der poetischen Gedankenwelt Hafis̓ in Anbetracht seiner Ghaselen Übersetzung von Joachim Wohlleben

Volumen 31, Ausgabe 1, Februar 2018, Seiten 53-65

Raed Faridzadeh

Abstrakt Die Übersetzung des Divans von Hafis, der zu Recht als ein Schatz der kulturellen Erinnerung Irans gilt, erscheint als eine schwierige, wenn nicht unmögliche Aufgabe. Voraussetzung für ein genaues und umfassendes Verständnis seiner Gedichte ist das Eintauchen in Hafis’ Gedankenwelt sowie die Kenntnis der Traditionen und des kulturellen Kontexts seiner Zeit. Joachim Wohlleben (1936–2004), deutscher Philosoph und Professor für Literatur an der Freien Universität Berlin, veröffentlichte im Jahr 2004 eine neue deutsche Übersetzung des Hafis-Divans. In seiner Übersetzung bemüht sich Wohlleben, die Dichtung in Prosa zu überführen, sodass eine sogenannte „nüchterne Übersetzung“ entsteht – eine Übersetzung, die nicht die äußere Form der Ghazale priorisiert, sondern die Gedankenwelt und den geistigen Gehalt Hafis' für das deutsche Publikum verständlich machen soll. Dieser Beitrag untersucht die genannte Behauptung kritisch, insbesondere im Licht der Ideen westlicher Denker wie Johann Wolfgang von Goethe sowie unter besonderer Berücksichtigung der rhetorischen Theorien von ʿAbd al-Qāhir al-Ğurğānī.