Mit den Augen des Herzens sehen -Über die Symbolik der mystisch-metaphysischen Schau im Islam
Seiten 1-17
Roland Pietsch
Abstrakt Der erste Teil dieses Beitrags befasst sich mit der allgemeinen Bedeutung der Symbole, die die Wahrheit darstellen und über Denken und Wahrnehmung hinausgehen. Der zweite Teil beschreibt vier Zustände des Herzens gemäß at-Tirmiḏīs Abhandlung Bayān al-farq bayna aṣ-ṣadr wa-l-qalb wa-l-fuʾād wa-l-lubb. Im letzten und zentralen Teil des Beitrags wird Ibn ʿArabīs Lehre von der mystisch-metaphysischen Erkenntnis sowie seine Lehre vom „Auge des Herzens“ auf Grundlage seiner Fuṣūṣ al-ḥikam erläutert.
Der Transfer von Wissenschaft und Technologie von Österreich nach Iran
Seiten 19-33
Mohammad Hadi Varahram
Abstrakt Diese Studie befasst sich mit dem Transfer von Wissenschaft und Technologie von Österreich nach Iran. Die angewandte Methode ist eine bibliotheksgestützte Forschung mittels Dokumentenanalyse. Die Ergebnisse zeigen, dass der Wissenstransfer direkt durch die Gründung des Dār al-Fonūn (Polytechnikum) in Teheran und indirekt durch die Dienstleistungen ausländischer Lehrer, Militärberater, Übersetzer, Ärzte, durch die Reisen der Kadscharenkönige nach Europa, den Bau von Straßen, Brücken, Eisenbahnen, Postdiensten, Münzanstalten, Sicherheitskräften sowie durch den Import militärischer Ausrüstung aus Österreich und deren Nachahmung im Iran erfolgte. Die Hauptaussage der vorliegenden Arbeit besteht darin, den Einfluss dieses Transfers auf Iran und dessen Bedeutung in den jeweiligen Bereichen aufzuzeigen.
Hat der Westen uns besiegt? Zur heutigen Rezeption der Werke von ʿAlī Schariʿatī und Āl-e Aḥmad im Iran
Seiten 35-58
https://doi.org/10.22034/spektrum.2019.223883
Katajun Amirpur
Abstrakt Im Jahr 1962 erschien im Iran eine Broschüre, die viele Gedanken enthielt, welche Edward Said später in seinem Werk Orientalism formulierte. Diese Broschüre war Ǧalāl Āl-e Aḥmads Gharbzādegī. In ähnlicher Weise setzte sich diese westkritische Denkweise in ʿAlī Schariʿatīs Ummat wa Imāmat fort. Diese beiden Bücher, zusammen mit Tanbīh al-umma wa tanzīh al-milla (Mahnung an die Gemeinschaft und Reinigung der Nation) von Mīrzā Moḥammad Ḥosein Nāʾīnī sowie Āyatollāh Rūḥollāh Ḫomeynīs Ḥokūmat-e eslāmī (Die islamische Regierung), gehören wohl zu den einflussreichsten Werken Irans im 20. Jahrhundert. Der vorliegende Beitrag analysiert diese Werke und untersucht ihre heutige Rezeption im Iran.
Die Einschätzung der Beweggründe der aggressiven außenpolitischen Haltung von Saudi Arabien gegen die Islamische Republik Iran (zwischen 2001 bis 2017)
Seiten 59-94
https://doi.org/10.22034/spektrum.2019.223885
Mehdi Zakerian, Alireza Molla-qadimi
Abstrakt Die Außenpolitik Saudi-Arabiens gegenüber Iran hat sich von einem konservativen und interaktiven Verhalten vor der Islamischen Revolution Irans zu einer wettbewerbsorientierten und widersprüchlichen Haltung danach gewandelt. Diese Politik hat sich im Zuge internationaler und regionaler Ereignisse und Veränderungen von einer vorsichtigen Pragmatik hin zu einer beispiellosen Aggressivität entwickelt. Der vorliegende Beitrag untersucht systematisch die Gründe für die außenpolitischen Haltungen, Prioritäten und Verhaltensweisen Saudi-Arabiens, insbesondere im Zeitraum von 2001 bis 2017. Die Studie zeigt auf, wie die genannten Entwicklungen die Sichtweise der saudischen Eliten und politischen Entscheidungsträger auf Irans Stellung im regionalen Gleichgewicht beeinflusst haben. Es scheint, dass die saudischen Autoritäten das Kräfteverhältnis zugunsten Irans verschoben sehen. Infolgedessen hat sich ihre Außenpolitik in eine aggressivere Richtung entwickelt, mit dem Ziel, Irans Rolle und Einfluss zu schwächen. Die Studie analysiert daher die Faktoren, die zu diesem Wandel geführt haben. Sie legt nahe, dass Identitätskonflikte, Sicherheitsbedrohungen und ideologische Rivalitäten zu den Hauptursachen dieser aggressiven Politik zählen.
Das Autobiografische im Werk von Franz Kafka
Seiten 95-108
https://doi.org/10.22034/spektrum.2019.223886
Saeid Rezvani
Abstrakt Die Werke Franz Kafkas können als Inbegriff der Interpretierbarkeit in der modernen Literatur gelten. Die Aufgabe der Suche nach der einzig richtigen Deutung seiner Erzählungen eröffnet den Zugang zu tieferliegenden Bedeutungsschichten. Der Versuch, Kafkas Texte zu verstehen, bringt mögliche Interpretationen hervor und legt Elemente offen, auf denen seine Erzählungen beruhen. Ein Teil von Kafkas literarischem Schaffen besteht zweifellos in der Verarbeitung konkreter Ereignisse und Umstände seines Lebens. Daher versucht dieser Beitrag, das autobiografische Element in seinen Texten zu untersuchen. Zwar lässt sich die Bedeutung seiner Werke nicht allein aus der Biografie des Autors erschließen, doch trägt diese zur teilweisen Erhellung und Entwicklung möglicher Deutungen bei. So eröffnet beispielsweise die Lektüre von Kafkas Roman Das Schloss im Zusammenhang mit seinen autobiografischen Quellen (Briefe und Tagebücher) eine neue Interpretation des fragmentarischen Textes.
Soziale und kulturelle Fremdheitskonstruktionen in Russlandreisebericht Dalīl as-sufarāʾ Ein persischer Reisebericht nach Russland
Seiten 109-131
https://doi.org/10.22034/spektrum.2019.223887
Sara Faridzadeh
Abstrakt Während der Regierungszeit Peters des Großen (1672–1725) verfolgte Russland eine aggressive Strategie gegenüber dem Iran, die in den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts ihren Höhepunkt erreichte. Seitdem ist der Iran in ein ungleiches Verhältnis zu Russland eingetreten. Mit dem Fokus auf Dalīl as-sufarāʼ, einem der ersten persischen Reiseberichte des 19. Jahrhunderts über Russland, untersucht dieser Beitrag aus soziologischer Perspektive die Konstruktionen sozialer und kultureller Fremdheit anhand grenzziehender Praktiken. Anhand exemplarischer Textauszüge wird veranschaulicht, welche Formen von Fremdheit erzeugt werden und mit welchen Strategien diese entweder beibehalten oder angeeignet werden.
