Rumis Vorstellungen vom Lebenssinn: Eine Lektüre der Majāles-e Sabʿa als Weisheitspädagogik in der Erwachsenenbildung
Seiten 1-29
https://doi.org/10.22034/spektrum.2025.523971.1035
Rasool Akbari
Abstrakt Dieser Artikel untersucht die pädagogische Bedeutung von Rumis Majāles-e Sabʿa (Sieben Predigten) als einen religiösen Rahmen für Sinnstiftung in der Erwachsenenbildung. Die Studie positioniert Religion als ein Sinndeutungssystem und hebt das bislang wenig genutzte pädagogische Potenzial von Weisheitsliteratur hervor, insbesondere im Hinblick auf existenzielle Orientierung bei muslimischen Erwachsenen in diasporischen Kontexten. Unter Anwendung des viergliedrigen Sinnmodells von Baumeister und Vohs – bestehend aus Zweck, Werten, Wirksamkeit und Selbstwert – bietet der Artikel eine hermeneutisch-phänomenologische Analyse von Rumis erster Predigt, um seine Vorstellungen vom Sinn des Lebens zu verstehen. Durch eine Textanalyse von flehentlichen Monologen, moralischen Gleichnissen und theologischen Reflexionen untersucht die Studie, wie Rumi ein theozentrisches Modell existenzieller Transformation konstruiert, das auf Sehnsucht, Reue und göttlicher Barmherzigkeit basiert. Zweck wird als eschatologische und teleologische Ausrichtung auf die Rückkehr zu Gott verstanden; Werte werden durch Reue, Demut und moralische Aufrichtigkeit geprägt; Wirksamkeit wird als spirituelle Handlungsmacht durch Erinnerung und Vertrauen neu definiert; und Selbstwert wird durch Aufrichtigkeit und göttliche Anerkennung geformt, anstatt durch bloß meritokratische oder moralistische Rahmen. Methodisch integriert der Artikel Grounded Theory und hermeneutische Phänomenologie, um eine kontextuelle, vielschichtige Lesart von Rumis homiletischer Rede anzubieten und diese als performativen Ort der Sinnstiftung und nicht als statischen Text zu betrachten. In seinen pädagogischen Implikationen schlägt die Studie vor, Rumis Predigten als eine „Weisheitspädagogik“ zu verstehen, die auf Rumis Denken zurückgreift, um Identitätsbildung, moralische Resilienz und existentielle Alphabetisierung bei muslimischen Erwachsenen zu fördern. Es wird argumentiert, dass Rumis Modell einen kraftvollen Bildungsrahmen für den Umgang mit pluralen, desorientierenden modernen Lebenswelten bietet und zugleich kritische Fragen zur Normativität und Inklusivität solcher Pädagogiken aufwirft.
Migration persischer Manuskripte: Untersuchung der Zerstreuung und uneinheitlichen Katalogisierung der Muraqqaʿ-e Gulshan-Folios
Seiten 31-53
https://doi.org/10.22034/spektrum.2025.522813.1034
Fatemeh ShafieeSarvestani
Abstrakt Das Muraqqaʿ-e Gulshan ist ein historisch bedeutendes persisches Album mit Miniaturmalereien, Kalligraphien und Gravuren, dessen Blätter heute über Institutionen weltweit verstreut sind. Während frühere Forschungen sich mit der künstlerischen und historischen Bedeutung dieses Werks befassten, wurde bislang kein substantieller Versuch unternommen, eine Netzwerk-Analyse anzuwenden, um die Zusammenhänge zwischen den verstreuten Folios nachzuverfolgen. Dieser Artikel untersucht das Ausmaß und die Struktur dieser Zerstreuung anhand von Katalogeinträgen, Provenienzdaten und Erwerbshistorien. Zudem werden Zugangsbarrieren für persischsprachige Wissenschaftler sowie die Rolle der Digitalisierung im Sinne eines gerechteren wissenschaftlichen Austauschs thematisiert. Die Forschung verwendet graphbasierte Netzwerkanalyse und das Paradigma der Linked Open Data, um die Verbreitung der Folios zu verfolgen und die Variabilität der Katalogisierung zu quantifizieren, die vergleichende Manuskriptforschung erschweren kann. Ziel ist es, Lücken in der Zugänglichkeit und in der Metadatenorganisation zu identifizieren. Die Ergebnisse tragen zur Manuskriptforschung bei, indem sie die Nützlichkeit computergestützter Methoden in der Provenienzforschung sowie bei benutzerorientierten Digitalisierungsinitiativen aufzeigen. Damit werden bestehende Schwächen der bisherigen Forschung adressiert und ein umfassendes Modell zur Untersuchung der Migration der Muraqqaʿ-e Gulshan-Folios in globalen Sammlungen bereitgestellt.
Alevitische Organisationen in Deutschland (AABF)
Seiten 55-72
https://doi.org/10.22034/spektrum.2025.504990.1022
Deniz Caner
Abstrakt Ein entscheidender Schritt für die alevitische Identitätspolitik in Deutschland war die Alevitische Kulturwoche, die im Oktober 1989 von Aleviten an der Universität Hamburg veranstaltet wurde. Nach dieser Veranstaltung wurden rasch anwachsende alevitische Vereine gegründet, und das Alevitentum wurde in Deutschland in der Öffentlichkeit bekannt. Dieser Artikel hat zum Ziel, die alevitischen Organisationen in Deutschland vorzustellen. Insbesondere soll es dabei um die Föderation der Aleviten-Gemeinden in Deutschland e.V. (Almanya Alevi Birlikleri Federasyonu, abgekürzt AABF) gehen. Die circa hundert Mitgliedsorganisationen der AABF nehmen beständig an Bedeutung zu. Die Aktivitäten der AABF sind vielfältig; es gibt zahlreiche Veranstaltungen, öffentliche Reden, Erklärungen und die Zeitschrift „Alevilerin Sesi“ (Stimme der Aleviten). Unser Augenmerk gilt in dieser Untersuchung den Zielen und Aktivitäten der AABF, die sie zum Nutzen der Aleviten in Deutschland verfolgt. Ziel ist es, folgende Fragen zu beantworten: Wann und warum wurde die AABF gegründet, und welche Bedeutung hat sie für die Aleviten in Deutschland? Mit welchen Aktivitäten hat sie sich bis heute beschäftigt?
Drama- und Theaterpädagogik und ihre Bedeutung für Sprachvermittlung und interkulturelles Lernen an iranischen Hochschulen
Seiten 73-99
https://doi.org/10.22034/spektrum.2025.502616.1021
Mohammadreza Dousti Zadeh, Mohammad Hajiamini, Sonja Anwar
Abstrakt Diese qualitative Fallstudie untersucht die Rolle der Drama- und Theaterpädagogik im Unterricht Deutsch als Fremdsprache (DaF) an iranischen Hochschulen im Zeitraum 1403–1404 (2024–2025). Ziel der Studie ist es, zu analysieren, inwiefern dramapädagogische Methoden den Lernprozess von Studierenden erleichtern, insbesondere im Hinblick auf den Abbau von Sprechhemmungen, das Erlernen neuer Vokabeln und grammatikalischer Strukturen sowie die Förderung interkultureller Kompetenzen. Ausgangspunkt ist die Frage, ob und wie Theaterarbeit zur Überwindung von Scham und Sprachangst beitragen und Studierende – vor allem in den Anfangssemestern – zur aktiven Teilnahme und Ausdrucksfähigkeit im Unterricht motivieren kann. Zudem wird untersucht, ob die Arbeit mit dramatischen Texten das kulturelle Verständnis stärkt und die Motivation zur Textarbeit erhöht. Die Datenerhebung erfolgte durch Gruppendiskussionen sowie offene Fragebögen mit Studierenden der Germanistik an der Universität Teheran. Alle Aussagen wurden transkribiert und mithilfe der Software MAXQDA qualitativ ausgewertet. Zur Sicherung der Vertrauenswürdigkeit der Daten wurden die Ergebnisse durch Triangulation der Methoden (Diskussion + Fragebogen), Teilnehmerfeedback sowie konsistente Kategorienbildung überprüft. Die Studie zeigt auf, dass dramapädagogische Ansätze nicht nur die sprachliche Ausdrucksfähigkeit und das interkulturelle Lernen unterstützen, sondern auch zur persönlichen Entwicklung der Lernenden beitragen können. Sie ruft Lehrende dazu auf, das Potenzial dieser Methode systematisch zu nutzen und in den DaF-Unterricht zu integrieren.
Buchrezension mit einer Übersetzung aus dem Tadschikischen Persisch aus „Im steinernen Sack“ (1988/1989) — Die tadschikisch-persischen Memoiren des bucharisch-jüdischen Schriftstellers Mordechai Bachaev alias Muhib (1911–2007)
Seiten 101-125
https://doi.org/10.22034/spektrum.2024.485170.1006
Mehrdad Saeedi
Abstrakt Dieser Text besteht aus zwei Teilen: einer kurzen Buchvorstellung und einer Übersetzung aus dem Buch, die den Hauptteil bildet. Die Übersetzung wurde aus dem Tadschikischen Persisch unter Beibehaltung des ursprünglichen Stils angefertigt und stammt aus dem letzten Kapitel des ersten Bandes der zweiteiligen Memoiren „Im steinernen Sack“ (1988/1989) von Mordechai ben Hijo Bachaev, genannt Muhib (1911–2007). Muhib war ein persischsprachiger Schriftsteller, Dichter, Übersetzer sowie Kultur- und Sprachaktivist unter den sogenannten bucharischen Juden in Zentralasien, insbesondere im heutigen Usbekistan und Tadschikistan. In seinen Memoiren beschreibt er ausführlich und in einem romanhaften Stil seine Lebensumstände während der Zeit des „Großen Terrors“, der stalinistischen Verfolgungskampagne Ende der 1930er Jahre, die schließlich zu seiner Inhaftierung im Jahr 1938 führte. Das Hauptziel dieses Textes ist jedoch die Einführung einer der einflussreichsten Persönlichkeiten der tadschikisch-persischen Sprach- und Literaturgeschichte unter den bucharischen Juden. Diese ethno-religiöse Minderheit in Sowjet-Zentralasien (1917–1935) entwickelte eine neue „Sprache“ – abgeleitet und gleichzeitig eigenständig gegenüber dem Persischen und seiner zentralasiatischen Variante, dem Tadschikischen – unter der Bezeichnung „Bucharisch-Jüdisch“. Diese Sprache wurde zunächst in hebräischer Schrift, später in lateinischer Schrift geschrieben, bis sie 1934 per Regierungsbefehl eingestellt wurde. Veröffentlichungen in bucharisch-jüdischer Sprache erschienen noch bis etwa 1940. Die Zahl der Sprecher dieser tadschikisch-persischen Varietät wurde bis Ende 1987 auf etwa 85.000 geschätzt, davon 45.000 in der UdSSR und 32.000 in Israel.
Analyse des Umfangs der Vormundschaft der Mutter über das Kind in der islamischen Rechtsprechung und im Gesetzesrecht
Seiten 127-152
https://doi.org/10.22034/spektrum.2025.517135.1029
Zahra Hosseini, Abbasali Rostamisani, Sara Akhondi
Abstrakt Das Konzept der mütterlichen Vormundschaft über ihr Kind ist ein zentrales Thema der islamischen Rechtsprechung und des islamischen Gesetzesrechts. Dieser Artikel untersucht Umfang und Reichweite der mütterlichen Vormundschaft über ihr Kind in der islamischen Rechtsprechung und im islamischen Gesetzesrecht und verdeutlicht die Rolle der Mutter im rechtlichen und erzieherischen Entscheidungsprozess für das Kind. Die Studie untersucht die juristischen und rechtlichen Grundlagen der mütterlichen Vormundschaft mithilfe einer analytischen und vergleichenden Methode. Die Studie untersucht Koranverse und Erzählungen der unfehlbaren Imame zu den Rechten von Müttern und ihrer Vormundschaft über Kinder. Anschließend werden die verschiedenen Aspekte dieses Themas anhand zeitgenössischer juristischer Quellen analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass in der islamischen Rechtsprechung, insbesondere in der Denkschule der unfehlbaren Imame, die Vormundschaft der Mutter über ihr Kind – insbesondere in den frühen Lebensphasen (von der Geburt bis zur Pubertät) – stark betont wird. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Mutter in vielen Rechtssystemen als Schlüsselfigur bei Entscheidungen über das Wachstum und die Erziehung des Kindes anerkannt wird. Die Ergebnisse dieses Artikels zeigen, dass die Vormundschaft der Mutter mit den Rechten und dem Wohl des Kindes im Einklang steht. Eine ernsthafte Berücksichtigung dieser Vormundschaft ist unerlässlich, um eine ausgewogene und ausgewogene Entwicklung des Kindes zu gewährleisten. Die Betonung der praktischen Anwendung dieser Konzepte in sozialen und pädagogischen Kontexten ist notwendig, um die Kinderrechte zu fördern und die Rolle der Mutter in diesem Zusammenhang hervorzuheben.
Eine vergleichende Untersuchung der Ursprünge der Psychokinese in der Philosophie Mulla Sadras und der Bohmschen Quantenphysik
Seiten 153-170
https://doi.org/10.22034/spektrum.2025.501111.1020
Mohamad Mahdi Zamani, Mohsen Izadi, Habibollah Razmi
Abstrakt Psychokinese ist die Fähigkeit, Objekte zu beeinflussen, ohne physikalische Kräfte zu nutzen. In der Philosophie von Mulla Sadra ist diese Fähigkeit in der imaginativen Kraft der Seele verankert. In der Quantenphysik bieten Konzepte wie die Rolle des Beobachters und Quantenverschränkung mögliche Erklärungsansätze für dieses Phänomen. Dieser Beitrag stellt eine vergleichende Analyse zwischen Mulla Sadras Philosophie und der bohmschen Interpretation der Quantenphysik an und hebt dabei Gemeinsamkeiten und wechselseitige Affinitäten hervor. Beide Ansätze beruhen auf Kausalität und erkennen die aktive Rolle des Geistes im Weltgeschehen an. Während Mulla Sadra davon ausgeht, dass die Fähigkeit zur Beeinflussung physischer Objekte mit der starken Einbildungskraft der menschlichen Seele zusammenhängt, postuliert die bohmsche Quantenphysik, dass die Verschränkung des Geistes des Beobachters mit der inneren Ebene der Phänomene (dem impliziten Bereich) die Möglichkeit von Psychokinese eröffnen kann. Es zeigt sich, dass eine rein physikalische Herangehensweise zur Erklärung von Wundern—die eine besondere Form der Psychokinese darstellen—weder hinreichend genau noch effektiv ist.
Persischsprachige Dichter_innen der Vergangenheit als gegenwärtige Celebritys?
Seiten 171-187
https://doi.org/10.22034/spektrum.2025.504769.1023
Sara Rahmani
Abstrakt Die Existenz von Celebritys in verschiedenen Zeiten ist zunächst an sich interessant, erweist sich aber in zweiter Linie als etwas irreführend – insbesondere dann, wenn dieser Blick auf die Berühmtheiten bzw. das Celebrity-Wesen der Vergangenheit gerichtet ist. Oftmals setzen wir uns mit bekannten Persönlichkeiten der Gegenwart auseinander, indem wir jene der Vergangenheit vergessen oder womöglich bewusst außer Acht lassen. Wenn wir jedoch vergangene Berühmtheiten – etwa Dichter:innen oder andere Persönlichkeiten früherer Zeiten – in den Blick nehmen wollen, bleibt unsere Perspektive asynchron und diachron. Diese Ungleichzeitigkeit bringt verschiedene Probleme mit sich: etwa die Frage, wie man diese Persönlichkeiten angesichts der im Laufe der Geschichte oft spärlichen Informationen überhaupt betrachten soll, und ob man sie mit heutigen Celebritys vergleichen darf. Das Problem verschärft sich, wenn man bedenkt, dass diese sogenannten, insbesondere persischsprachigen Dichter-Celebritys nach wie vor im kollektiven Gedächtnis des Volkes lebendig sind und heute einen gewissen Celebrity-Status genießen (etwa weil Menschen häufig versuchen, an ihren Gräbern Fotos zu machen) – obwohl sie jenseits ihres Ruhmes kaum von heutigen Faktoren wie Medienpräsenz oder Industrie beeinflusst waren oder sind. Ziel dieses Beitrags ist es, das Verhältnis der vergangenen persischsprachigen Dichter:innen zu unserer Zeit sowie die Vergangenheitssehnsucht heutiger Iraner:innen zu untersuchen und deren mögliche Celebrität zu klären. Darüber hinaus wird versucht, mithilfe eines induktiven, "bottom-up" Vorgehens die Fragen nach ihrem Wesen und ihrem Verhältnis zur heutigen Celebrity-Industrie deutlicher zu erfassen – mit dem Ziel herauszufinden, ob es sich dabei um ein allgemeines Phänomen oder eher um ein spezifisches Merkmal eines sogenannten Dichtervolkes handelt.
Verschiebung religiöser Ausrichtungen: Qāżīzādih Ardibīlī durch seine Schriften
Seiten 189-207
https://doi.org/10.22034/spektrum.2025.518019.1031
Taher babaei
Abstrakt Qāżīzādih Ardibilī war ein iranischer Gelehrter, der von osmanischen Truppen gefangen genommen wurde, jedoch dennoch begann, Bücher auf Persisch zu schreiben und zu übersetzen. Er verfasste Ghazavāt-i Sulṭān Salīm auf Persisch und übersetzte Wafayāt al-aʿyān aus dem Arabischen ins Persische. In beiden Werken lässt sich Qāżīzādihs religiöse Ausrichtung durch verschiedene Elemente seiner Schrift erkennen. Basierend auf Bibliotheksrecherchen und einer vergleichenden Analyse der beiden Texte (Ghazavāt-i Sulṭān Salīm und Wafayāt al-aʿyān) zeigt diese Studie, dass Qāżīzādih, ein Anhänger des schiitischen Islams, in diesen beiden Werken unterschiedliche Haltungen gegenüber den Ahl al-Sunna einnahm. In seiner Übersetzung von Wafayāt al-aʿyān verwendete Qāżīzādih einen gemäßigteren Ton gegenüber der konkurrierenden Konfession. Dieser Wandel lässt sich auf die frühere Abfassung von Ghazavāt, die unterschiedliche Zielgruppen der beiden Werke und die unterschiedlichen Anforderungen an das Schreiben originärer Werke versus Übersetzungen zurückführen. Diese Studie untersucht die Transformation in Qāżīzādihs religiöser Ausrichtung, identifiziert Anzeichen einer Anpassung seiner schiitischen Haltung und analysiert die Faktoren, die zu dieser Entwicklung beigetragen haben.
Petrus und Paulus in der muslimischen Tradition
Seiten 209-223
https://doi.org/10.22034/spektrum.2025.516395.1028
Vali Abdi, Mohsen Sharfaei
Abstrakt Sobald Muslime Kenntnisse über das Christentum erlangten, begannen sie, über dessen Lehren, Glaubensinhalte und religiöse Rituale zu schreiben und nachzudenken. Darüber hinaus setzten sich Muslime intensiv mit Jesus Christus, seinen Jüngern und Aposteln auseinander. Es scheint, dass muslimische Autoren ihr Wissen über das Christentum zunächst aus dem Koran und mündlichen Überlieferungen bezogen. Ab dem 9. Jahrhundert jedoch erhielten sie Zugang zu authentischen christlichen Quellen, darunter das Neue Testament. In diesen Jahrhunderten beteiligten sich sowohl Christen als auch Muslime an kontroversen und teilweise dialogischen Debatten. Solche direkten Kontakte förderten und vertieften das gegenseitige Verständnis. Die vorliegende Forschung konzentriert sich auf die muslimische Perspektive auf St. Petrus und St. Paulus – ersterer gilt als bevorzugter Jünger Jesu, letzterer als bekehrter Apostel. Wie in den folgenden Seiten gezeigt wird, kombinierten muslimische Autoren koranische und mündliche Sichtweisen mit einigen authentischen christlichen Quellen. Daher erscheint ihr Wissen über diese beiden Apostel mitunter widersprüchlich und inkonsequent. Muslime – insbesondere Schiiten – betrachteten St. Petrus als den wahren und legitimen Nachfolger Jesu. Dennoch verurteilten sie St. Paulus als jemanden, der die wahren Lehren Jesu Christi verfälscht habe.
Eine vergleichende Studie zu den Grundlagen spiritueller Erziehung in sozialen Interaktionen: Unter besonderer Berücksichtigung der Perspektive von Imam ʿAli (AS) und der Theorie der Tugendethik
Seiten 225-247
https://doi.org/10.22034/spektrum.2025.517229.1030
Marzieh Mohases
Abstrakt Diese Studie unternimmt eine vergleichende Analyse der Grundlagen und Komponenten spiritueller Erziehung in sozialen Interaktionen aus der Perspektive von Imam ʿAli (AS) im Rahmen der Tugendethik. Während sich die meisten Studien zur spirituellen Erziehung im islamischen Kontext hauptsächlich auf individuelle Aspekte wie Gottesdienst, Frömmigkeit und Selbstreinigung konzentriert haben, zielt dieser Beitrag darauf ab, eine kohärente Darstellung des Einflusses spiritueller Bildung auf zwischenmenschliche Beziehungen zu bieten – unter Rückgriff auf die Nahdsch al-Balagha und die philosophische Struktur der Tugendethik. Die theoretische Grundlage dieser Forschung ist die Tugendethik, die die Entwicklung eines tugendhaften Charakters, die allmähliche moralische Entfaltung, die Internalisierung von Tugenden und die Rolle der praktischen Vernunft bei der moralischen Urteilsfindung betont. Mithilfe einer vergleichend-analytischen Methode untersucht die Studie Prinzipien wie Gotteszentriertheit, den Glauben an die angeborene Güte des Menschen, Freiheit und Verantwortung, eschatologisches Bewusstsein sowie die Rolle der Emotionen in sozialen Interaktionen. Die Studie zeigt, dass sich diese Prinzipien im Erziehungssystem Imam ʿAlis (AS) in Form sozialer Tugenden wie Kooperation, Gerechtigkeit, Toleranz und Verantwortlichkeit manifestieren. Die Ergebnisse legen nahe, dass Imam ʿAlis (AS) Sozialethik nicht nur im religiösen Rahmen verständlich ist, sondern auch mit den Grundlagen der Tugendethik übereinstimmt und als integriertes Modell zur Neugestaltung zeitgenössischer Sozialethik dienen kann. Abschließend kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass spirituelle Erziehung aus der Sicht Imam ʿAlis (AS) ein innerer, gradueller und sozial ausgerichteter Prozess ist, durch den die moralische Transformation von Individuum und Gesellschaft gleichzeitig erfolgen kann. Dieser Ansatz bietet ein tragfähiges Modell zur Bewältigung ethischer Krisen und zur Neubewertung menschlicher Beziehungen in der modernen Welt.
Rudolf Otto und seine Stellung zum Islam
Seiten 249-271
https://doi.org/10.22034/spektrum.2025.529618.1036
roland pietsch
Abstrakt Nach einem Überblick über Rudolf Ottos Leben und Werk wird seine Phänomenologie des Heiligen kurz skizziert. Anschließend wird seine Stellung zum Islam anhand seiner Reiseberichte und später seiner Schriften dargelegt. Das Heilige ist für Rudolf Otto das Innerste jeder wahren Religion. Um das Heilige von seiner sprachlichen Nebenbedeutung als sittliche Vollkommenheit zu unterscheiden, verwendet Otto den Begriff des Numinosen als eine numinose Deutungs- und Bewertungs-kategorie. Rudolf Otto sieht das Innerste der Religionen im Einklang mit ihren äußeren Formen, etwa der mystischen Leere mit der architektonischen Leere von Moscheen.
