Spektrum Iran
Volumen und Ausgabe: Volumen 31, Ausgabe 1, Februar 2018, Seiten 1-132 
Iranian Civilization

Die Traditionelle Wasserversorgung von Kashan

Seiten 1-17

Heinz Gaube

Abstrakt In weiten Teilen Irans zählen Wasser und dessen Versorgungssysteme seit Generationen zu den lebenswichtigen Themen. Daher existierten in vielen historischen Städten Irans ausgeklügelte Wasserversorgungssysteme, deren Entwicklung für Iranforscher von großer Bedeutung sein kann. Die Qanate haben maßgeblich zur Entwicklung iranischer Städte, insbesondere in Wüstenregionen, beigetragen. Kaschan ist eine der Städte, deren Qanate und Wasserreservoirs in Reiseberichten und historischen Quellen erwähnt wurden. In diesem Beitrag wird die Bedeutung von Wasserleitungen und Reservoirs in Kaschan in den Reiseberichten sowie ihre historische Entwicklung und Vervollkommnung dargestellt. Auch der heutige Zustand dieser traditionellen Wasserversorgungssysteme wird anhand schriftlicher Quellen, Karten und mündlicher Überlieferungen untersucht.

Iranian Civilization

Šokūfe, die zweite iranische Frauenzeitung in der Kadscharenzeit

Seiten 19-43

Ali Shahidi, Gelareh Moradi

Abstrakt Dieser Beitrag befasst sich mit der historischen Einordnung und Inhaltsanalyse der Zeitschrift Šokūfeh, der zweiten Zeitschrift iranischer Frauen, die in der späten Kadscharenzeit (1330–1334 AH / 1911–1915 n. Chr.) erschien. Chefredakteurin war Maryam ʿAmīd Semnānī (Mozayyan ol-Salṭaneh), eine Pionierin auf den Gebieten der Mädchenbildung, der Gesundheit von Frauen und Kindern sowie der kulturellen und sozialen Anliegen von Frauen. Mozayyan ol-Salṭaneh gründete die Schule "Mozayyanīye" sowie die Vereinigung "Hemmat-e Khawātīn", die beide in den Leitartikeln und Berichten von Šokūfeh thematisiert werden. Die Inhaltsanalyse der Zeitschrift liefert ein quantitatives und qualitatives Bild der Absichten, Zielsetzungen und Aktivitäten der Chefredakteurin und Autorinnen sowie der Wünsche und Bestrebungen iranischer Frauen im Kontext des sozialen Wandels in der späten Kadscharenzeit.

Persian Literature

Zum Sprachgendern Mit einem Seitenblick auf die persische Sprache

Seiten 45-52

Mehrdad Saeedi

Abstrakt Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem sprachlichen Gendern, einem Thema, das in Deutschland häufig und emotional diskutiert wird. In diesem Zusammenhang wird es auf die persische Sprache angewandt, um die Situation im Iran zu beleuchten. Die zentrale Frage lautet: Wie geschlechtergerecht ist das Persische im Iran, d. h. wie kompatibel bzw. aussagekräftig ist die Sprache in Bezug auf Genderfragen auf sprachlicher, kultureller und politischer Ebene? Der eigentliche Anlass zur Auseinandersetzung mit diesem kontroversen, aber auch aktuellen Thema liegt in den unterschiedlichen anthropologischen Selbstbildern, die durch jeweilige Kultur-, Bildungs- und Geschlechterpolitiken in Iran als religiöser Demokratie einerseits und Deutschland als säkularer Demokratie andererseits (re)produziert werden. Es scheint, dass das sprachliche Gendern ein Feld ist, auf dem linksliberale demokratische Kreise – unter Ausblendung kritischer Stimmen aus sogenannten konservativen Schichten der Gesellschaft – versuchen, einen neuen Menschentypus zu schaffen, der jenseits der Kategorie Geschlechtsidentität definiert wird; ein Modell, das dem der Islamischen Republik Iran, welches stets als rückschrittlich und überholt gilt, diametral entgegengesetzt ist. Der Autor vertritt eine kritische Perspektive auf das sprachliche Gendern, da es an sprachliche Ideologie grenzt. Dabei wird nicht behauptet, dass es keine geschlechtsspezifische Diskriminierung gibt. Die eigentliche Frage sollte jedoch lauten: Wie relevant ist sprachliche Korrektur im Hinblick auf die reale geschlechtliche Ungleichheit?

Persian Literature

Die gebannten Wunderbilder, kreisend in seinem Zirkel... Die Übertragung der poetischen Gedankenwelt Hafis̓ in Anbetracht seiner Ghaselen Übersetzung von Joachim Wohlleben

Seiten 53-65

Raed Faridzadeh

Abstrakt Die Übersetzung des Divans von Hafis, der zu Recht als ein Schatz der kulturellen Erinnerung Irans gilt, erscheint als eine schwierige, wenn nicht unmögliche Aufgabe. Voraussetzung für ein genaues und umfassendes Verständnis seiner Gedichte ist das Eintauchen in Hafis’ Gedankenwelt sowie die Kenntnis der Traditionen und des kulturellen Kontexts seiner Zeit. Joachim Wohlleben (1936–2004), deutscher Philosoph und Professor für Literatur an der Freien Universität Berlin, veröffentlichte im Jahr 2004 eine neue deutsche Übersetzung des Hafis-Divans. In seiner Übersetzung bemüht sich Wohlleben, die Dichtung in Prosa zu überführen, sodass eine sogenannte „nüchterne Übersetzung“ entsteht – eine Übersetzung, die nicht die äußere Form der Ghazale priorisiert, sondern die Gedankenwelt und den geistigen Gehalt Hafis' für das deutsche Publikum verständlich machen soll. Dieser Beitrag untersucht die genannte Behauptung kritisch, insbesondere im Licht der Ideen westlicher Denker wie Johann Wolfgang von Goethe sowie unter besonderer Berücksichtigung der rhetorischen Theorien von ʿAbd al-Qāhir al-Ğurğānī.

Philosophy and Theology

Anblicke der Wirklichkeit Gottes Über den Unterschied zwischen göttlicher Wesenheit und göttlichen Energien oder Eigenschaften bei Gregorios Palamas und Ibn ʽArabī Eine Gegenüberstellung

Seiten 67-89

Roland Pietsch

Abstrakt Für den byzantinisch-christlichen Theologen und Mystiker Gregorios Palamas, einen der wichtigsten Vertreter des Hesychasmus, und den islamischen Mystiker und Sufi-Meister Ibn ʿArabī, bezieht sich die Erkenntnis der göttlichen Wirklichkeit allein auf die göttlichen Energien bzw. Eigenschaften – nicht aber auf das unzugängliche und verborgene Wesen Gottes, das alles Sein und damit auch jegliche Erkenntnis in unaussprechlicher Weise übersteigt. Die göttliche Essenz und die göttlichen Energien oder Eigenschaften sind jedoch nicht voneinander getrennt, sondern innerhalb der göttlichen Wirklichkeit lediglich unterschieden; trotz dieser Differenz bilden sie eine unauflösliche Einheit. Diese Lehren von der göttlichen Unterscheidung bilden die Grundlage der mystischen Gotteserkenntnis sowohl bei Gregorios Palamas als auch bei Ibn ʿArabī. In diesem Beitrag werden die Grundsätze dieser Lehren dargestellt und miteinander verglichen. Die Gegenüberstellung soll vor allem der wechselseitigen Erhellung dienen. Dabei ist zu beachten, dass beide Mystiker unterschiedlichen Religionen und somit verschiedenen Offenbarungszusammenhängen angehören, die nicht äußerlich miteinander vergleichbar sind. Vielmehr geht es darum, die innere Struktur der göttlichen Unterscheidung zwischen göttlichem Wesen und göttlichen Energien bzw. Eigenschaften bei Gregorios Palamas und Ibn ʿArabī in ihrer grundlegenden Bedeutung für die Richtigkeit des spirituellen Weges zur Gottesvision aufzuzeigen – mit Blick auf die innere und transzendente Einheit der Religionen.

Philosophy and Theology

Die Bibel kritisiert und verwirft nicht andere Religionen, sondern Götzendienst Ermutigung zur interreligiösen Solidarität für Gerechtigkeit

Seiten 91-108

Ulrich Duchrow

Abstrakt In den USA und Europa wird viel unternommen, um ein feindliches Bild des Islam zu zeichnen. Der ungarische Premierminister verweist auf das christliche Abendland und die Angst vor der „Islamisierung Europas“, um zu rechtfertigen, warum Ungarn keinen einzigen Flüchtling aufnimmt. So wird mangelnde Solidarität unter dem Vorwand der Angst vor einer anderen Religion erklärt. Auch der US-Präsident arbeitet eifrig daran, ein feindliches Bild vom Islam – insbesondere vom Iran – aufzubauen. Deshalb ist es an der Zeit, die Frage der Religionen theologisch zu behandeln. In diesem Beitrag werden die tatsächlichen Auffassungen der Religionen untersucht, um einen Schritt in Richtung Frieden und Solidarität unter ihren Anhängern zu gehen.